Nach viereinhalb Stunden Schlaf stehen wir um 6:00 Uhr auf und machen uns Russlandfertig
Alle Dokumente zusammenstellen
Mein gutes Motorrad Navi tausche ich mit dem schlechten BMW Navi
Aber auf diesem sind offline-Karten für Russland drauf, könnten uns helfen, falls wir kein Internet haben
Wir packen unsere Motorräder und wollen die Maschinen gerade aus dem Hof schieben, als zwei Kühe auf der Straße entlang laufen – wir müssen warten
Wir fahren los zur Grenze und kaufen noch mal an einem Supermarkt Wasser
An der Grenze um 7:30 angekommen, treffen wir wieder die drei italienischen Motorradfahrer
Wir kommen relativ zügig an den Grenzposten zur Ausreise aus Georgien
Er macht aber Stress, da wir keinen Einreisestempel haben
Er telefoniert mit einem Kollegen, dann kommt noch mal einer vorbei, dann lassen sie uns aber durch
Wir hoffen das gibt an der russischen Grenze keine Probleme!!!
Die Weiterfahrt ist sehr abenteuerlich, zwischen LKWs durch, an Autos vorbei, dann stehen wir im Niemandsland vor einem zweispurigen Tunnel (in beide Richtungen)
Louis ist mit den Italienern ein Stückchen vorgefahren, meine Koffer haben Überbreite
Ich komme nirgends mehr vorbei und muss mich anstellen
Es ist zäh im stop and go, aber nur, weil der Gegenverkehr sich zweispurig aufgereiht hat
Nach einer langen Zeit ist der Verkehr geregelt und ich kann die restlichen 2 km direkt an die Grenze fahren
Louis ist schon bei den Russen im Häuschen
Sie wollen alle Papiere sehen, ich muss alle Koffer aufmachen und dann muss ich noch parken
Ich werde in ein Haus begleitet, wo Louis schon wartet
Jeder wird einzeln aufgerufen und kommt alleine zu einem Beamten zum Verhör
Dann bin ich fertig, muss aber mein Handy mit PIN da lassen, es wird durchgecheckt
Ich sitze mit Louis und den Italienern im von außen vergitterten Warteraum – auch die Fenster lassen sich nicht öffnen
Die Zimmertüre ist wenigstens offen
Ein Italiener fragt, ob er zu seinem Motorrad darf – der Grenzer lässt ihn kurz raus
Inzwischen ist es schon 10:00 und seit über einer Stunde sitzen wir zu viert in der Zelle
Mauri kommt mit einem Fresspaket zurück
Wir essen Tuc und Salami – das erste Essen heute, und es tut sehr gut
Jetzt noch ein Espresso, das wäre ein Traum!
Normalerweise können das die Italiener, nur heute nicht!
Ein Grenzer kommt und bringt mir mein Handy, nur meins
15 Minuten später bekommt Louis sein Handy zurück, sonst bekommen wir noch nichts
Weitere 10 Minuten später bekommen wir unsere Pässe und müssen uns draußen an der nächsten Station anstellen, um unsere Führerscheine zurückzubekommen
Und bevor wir die Führerscheine bekommen, müssen wir noch drei Formulare ausfüllen und dann anstehen
Und wir stehen… Wir stehen… Wir stehen…
Dann haben wir die Formulare zweimal falsch ausgefüllt und müssen diese noch mal ausfüllen und noch mal anstehen
Alles in allem dauert der ganze Schabernack sehr lange
Nach 9 Stunden, um 16:30 Uhr fahren wir nach Russland rein
Juhuuuuu…!
Wir fahren nach Wladikawkas, Louis hat eine Bank ausgemacht – die offline-Karten funktionieren
Wir merken, dass die Russen uns wieder 1 Stunde geschenkt haben
Wir müssen dringend die Euro in Rubel wechseln
Kurz vor Wladikawkas geht das GPS nicht mehr – haben die tatsächlich Störsender über der Stadt
Nichts geht zum Navigieren
Wir fahren blind in die Stadt und halten irgendwo
Wir fragen ein junges Mädchen nach einer Bank, aber anscheinend gibt es weit und breit keine
Die e-sim von Louis wird erst nach 24 Stunden freigeschalten, also morgen früh
So stehen wir da, ohne GPS, ohne WLAN, ohne Geld und ohne Plan…
Dann fragen wir zwei junge Kerle, die wahrscheinlich gerade auf die Gass gehen wollten – gestylt und parfümiert
Sie helfen uns und laufen mit uns zur Bank
Doch auch sie merken, dass samstags keine Bank offen hat, und sie hat tatsächlich zu
Dann recherchiert der junge Russe nach einer Wechselstube und übersetzt uns den Weg dorthin
Louis fotografiert die Wegbeschreibung ab und meint „das finden wir nie“
Louis fragt einfach mal ganz höflich, ob sie uns den Weg zeigen würden
Der eine Russe schaut den anderen Russen an, sie nicken sich zu, und wir laufen zu viert
Wir laufen bestimmt 40 Minuten zur Wechselstube, und die hat tatsächlich auf
Die jungen Russen verabschieden sich, und wir bedanken uns herzlich – was für eine Aktion von den beiden!!!
Ich wollte gleich mal 2000 € tauschen, Louis aber nicht und er meinte, wir müssen überlegen, wie und ob es hier überhaupt weitergeht
Wir tauschen die Hälfte in Rubel um und suchen uns ein Restaurant zum Essen
Jetzt haben wir wenigstens Geld und können essen und uns auch eine Übernachtung suchen
Unsere EC-, oder Kreditkarten oder sonstiges funktionieren hier nicht
Im Restaurant haben wir wifi und Louis probiert seinen VPN aus – er funktioniert leider nicht
Der VPN war eine große Hoffnung für uns
Wir essen russische Spezialitäten
Als ich vom Klo komme, strahlt Louis über das ganze Gesicht – VPN funktioniert!!!
Wir googeln nach einem Hotel, was auch klappt – nur leider finden wir ohne GPS den Weg dorthin nicht
Wir gehen zu unseren Motorrädern und fahren los, blind durch die Stadt, auf der Suche nach einem Hotel
An einem Supermarkt halten wir an, zwei besoffene Russen wollen uns den Weg zu einem Hotel zeigen
„Nur geradeaus und dann links“
Wir fahren genau da lang und finden natürlich nichts
An einer Ampel kurbelt ein anderer Russe neben Louis sein Fenster runter und will auch helfen, leider kann er weder Englisch noch Deutsch
So irren wir weiter durch die Stadt und halten an einem Restaurant an, welches auch noch wie ein Hotel aussieht
Wir fragen nach, leider ist es aber nur ein Restaurant
Die Chefin ruft dann zwei Hotels an, ob noch Zimmer für uns frei sind
Vergeblich… Dann hat sie aber eine andere Idee mit einem Hotel und sagt, wir sollen hinter ihr her fahren
Sie fährt los, und wir mit unseren Motorrädern hinterher, direkt zu einem Hotel
Wahnsinn, diese Hilfsbereitschaft!
Wir bedanken uns herzlich und checken ein, sie fährt wieder zurück
Wir haben ein riesengroßes Zimmer mit eigenem Bad
Wir duschen und dann setzen wir uns an den Rechner und diskutieren, wie es nun weitergehen soll
Die Spritknappheit in Russland bringt uns sehr zum Nachdenken
Dann müssen wir morgen das GPS testen – wo geht es, wo geht es nicht?
Sollen wir nach Kasachstan rein, dort gibt es keine Benzinknappheit
Das wäre aber wieder so ein Grenztag – davon hab ich eigentlich genug!
Und da wir nur eine Ein- und eine Ausreise für Russland gebucht haben, würden wir in Kasachstan feststecken – oder wir brauchen ein E-Visum
Fragen über Fragen…
…
Wir beschließen morgen nach Tschetschenien zu fahren – Tankstellen hat es einige auf diesem Wege, ob sie Benzin haben, werden wir sehen
heute Morgen, 8:00 Uhr georgischer Zeit aufgestanden, 6:00 Uhr in Deutschland
Ich habe noch mal versucht die Bilder von gestern auf die Homepage zu laden, ich glaube es hat einigermaßen funktioniert
Aber das ist echt ein Scheiß, ich krieg die Bilder nicht mehr ganz groß auf die Homepage
…
Wir packen zusammen und drehen die Maschinen erst mal in Startposition
Dann beladen wir sie
Wir fahren los, rangieren aus dem Parkplatz raus und vom Berg runter auf die Hauptstraße
Der Verkehr ist eine Katastrophe, schlimmer als in der Türkei
Hier wird trotz Gegenverkehr überholt, in der Hoffnung, dass der Gegenverkehr ausweicht
Wir überholen auch, allerdings, wenn kein Gegenverkehr kommt
Manchmal machen die Autos Platz und fahren weiter rechts, so dass wir sehr gut überholen können
Wir haben gerade einen LKW mit 120 km/h überholt, fädeln uns wieder ein, als hinter uns die Polizei mit Blaulicht kommt
Aber wir waren nicht die einzigen, die so schnell überholt haben
Polizei überholt mich
Dann überholt die Polizei den Louis
…
Dann fährt die Polizei weiter und überholt die anderen Autos auch
Haben wir jetzt Glück gehabt oder fahren die zum nächsten Parkplatz und winken uns da raus?
Ich diskutiere noch mit Louis, ob wir die nächste Abzweigung nehmen und eine Pause machen
Wir fahren aber weiter
Von der Polizei ist aber nichts mehr zu sehen
Gott sei Dank, wäre ein toller Start in Georgien gewesen
Nach 50 km tanken wir, es funktioniert alles, das Benzin kommt, die Bankkarte funktioniert und einen Espresso bekomme ich auch mit Karte
Aber die Umwelt ist denen alle egal
Der Tankwart nimmt den Rüssel aus der Anlage, kippt ihn nach unten, damit das restliche Benzin rausläuft, und lässt es einfach auf den Boden
Kurz nach der Tankstelle biegen wir rechts von der Hauptstraße ab
Wenig Verkehr und es ist angenehm zu fahren – jetzt merke ich wieder, wie mich das Kreuz- und Querfahren und Überholen dermaßen stresst!
Vier Kühe laufen am Straßenrand gemütlich entlang – wir fahren sicherheitshalber langsamer
Louis meint noch, wir müssen aufpassen, dass nicht noch mehr Kühe kommen
Und hinter der nächsten Kurve steht doch tatsächlich eine ganze Armee Kühe auf der Fahrbahn
Bremsen, anhalten, langsam durchfahren
Immer wieder kommen wir auf vierspurige, gut ausgebaute Landstraßen/Autobahnen – hier können wir Kilometer machen
Es ist 12:30 Uhr und langsam brauchen wir was zu essen
Wir benötigen dringend mal einen Supermarkt
An der nächsten Tankstelle fahren wir raus und dort hat es alles: Tankstelle, Supermarkt, Subway, Computerspielhalle…
Wir kaufen viel Wasser, seit Tagen mal wieder mit Kohlensäure
Wir essen Mittag beim Subway
Die Freundlichkeit der Menschen hier in Georgien lässt sehr zu wünschen übrig… Sehr schade!
Gelegentlich hubt mal ein Auto und der Autofahrer winkt, das war’s dann aber schon mit der Freundlichkeit
Wir fahren weiter. Nach circa 40 Minuten kommt der Einbruch, ich werde hundemüde
Nächste Tanke raus, Louis und ich trinken Espresso (bzw. Louis würgt ihn eher), dann geht’s weiter
Wir fahren noch eine Weile auf der vierspurigen Landstraße, parallel zum Kaukasusgebirge
Ca. 130 km vor der russischen Grenze biegen wir links ab Richtung Kaukasus
Louis muss schon wieder tanken, wir fahren raus
Aber so ist das halt mit einem Jugendrad und einem 20 l Kindertank, immer wieder muss er tanken
Leider hat der Tankwart nur 92 Oktan Klopfbenzin, das wollen wir nicht
Wir fahren zur nächsten Tanke, dort gibt es 98 Oktan
Der Tankwart holt den Rüssel raus, leert das restliche Benzin im Rüssel auf den Boden und betankt Louis‘ Maschine
Aber das ist sehr verantwortungsbewusst, das abgestandene Benzin gehört auch nicht in unseren Tank
…
wir fahren weiter und die Gegend im Kaukasus wird immer schöner, und je weiter wir ins Gebirge reinfahren, desto weniger Autos sind unterwegs
Die Straßen werden aber schlechter, manchmal sehr schlimme Bodenwellen, man meint manchmal, das Fahrwerk schlägt durch
Ok, liegt vielleicht auch an uns, wir fahren auch nicht gerade langsam
Wir kommen durch ein wunderschönes Tal an einem Fluss entlang
Die Berge sehen teilweise aus wie mit Moos bedeckt – wie im Bilderbuch
Schon allein der ganze Anblick von den Tälern und den Bergen im Kaukasus hat sich das tagelange Arschbreitdrücken auf unseren Motorrädern gelohnt
Eigentlich lohnt es sich gar nicht mehr die Kamera ständig aus und an zu schalten, man könnte sie auch durchlaufen lassen
Am Ende vom Tal geht es ein wenig in Serpentinen hoch, da ist dann schon mehr los
Seit knapp 4000 km sehen wir zum ersten Mal wieder Kurven
Wir freuen uns wie kleine Kinder, legen uns rein, beschleunigen aus der Kurve raus, überholen die Tanker und die anderen Autos – das macht Spaß
Wir machen auf 2000 Meter Höhe bei 20° Pause an einem Restaurant und trinken etwas
Louis bucht unser nächstes Hotel 12 km vor der Grenze
Hinter dem Hotel will er noch einen Berg rauf und die Dreifaltigkeitskirche anschauen
Kurze Diskussion, warum das, ich will eigentlich ins Hotel!
Will er seinen Sturkopf und seinen Jähzorn als Kind beichten?
…
wir laufen zu unseren Motorrädern, als plötzlich jemand schreit „oh, Deutsche!“
Wir treffen Maria und Horst, die elf Monate unterwegs sind und auf der arabischen Halbinsel waren, dann über Kirgisistan, Kasachstan nach Russland rein und jetzt in Georgien sind
Sie kommen aus der Nähe von Wiesbaden
Es entsteht ein sehr nettes Gespräch und sie beglückwünschen uns zur Russlandreise – als Deutscher bist du dort der Held!
Sie erzählen uns von der Spritknappheit und dass es an der Grenze zu Kasachstan kein GPS gibt
Wir machen noch ein Bild, verabschieden uns und fahren los
Unser Weg führt auf den Kaukasus auf 2400 Meter Höhe und die Temperaturen gehen auf 13° runter
Ich schalte mal dezent die Griffheizung an
…
Die letzten Kilometer zur Kirche geht es in engen Serpentinen hoch
Die Kirche steht traumhaft auf einem Berg
Louis versteckt sich hinter einem Gebäude und lässt die Drohne steigen
Die Aufnahmen werden fantastisch
Er packt die Drohne ein, und wir fahren ins Dorf zurück an die Tankstelle
Wir wollen mit vollem Tank morgen früh nach Russland rein
Danach geht es über eine teilweise Schotter- und Schlaglochpiste zum Hotel
Die Leute sind nett, man ist es gar nicht gewöhnt
Wir fahren in den Hof herein und ich parke bergrunter auf der Wiese
Erster Gang drin, die Maschine steht sicher
Der Besitzer legt zur Sicherheit noch einen Backstein an mein Hinterrad
Und überall die vielen streunenden Hunde… schlimm!
Jetzt haben wir es doch tatsächlich geschafft, das straffe Programm innerhalb einer Woche durchzuziehen
Seit daheim sind wir nun 3929 km gefahren und sind jetzt 12 km vor der russischen Grenze
…
Dann duschen und ab ins Dorf ins Restaurant
Freundliche, junge Bedienung, auch ungewöhnlich
Wir diskutieren, was uns ab morgen wohl erwartet…
wie weit werden wir kommen?
Haben wir Internet?
Bekommen wir genügend Benzin?
Können wir unsere Navis nutzen?
…
Wir essen, bezahlen, gehen nach Hause und treffen auf dem Weg nach Hause eine einsame Kuh, die durch die Gasse läuft
Wir machen Screenshots von unserer morgigen Tour, falls wir Probleme mit dem GPS kriegen
Wir suchen nach Tankstellen auf unserem Weg und hoffen, dass wir unsere Euros morgen auch in Rubel tauschen können
Louis hat eine eSIM und einen VPN gekauft, in der Hoffnung, wir können das Internet aus Europa anzapfen
Ab morgen macht die Tour richtig Spaß, wird extrem spannend und abenteuerlich
Wir haben beide wieder sehr gut geschlafen hier in Samsun
Um unser straffes Programm zu halten, müssen wir heute und morgen je 7,5 Stunden fahren, um morgen Abend kurz vor der russischen Grenze zu sein
Und dann am Samstagmorgen ganz früh an der russischen Grenze zu stehen, so dass hoffentlich noch nicht so viel los ist
Welcher Seggl hat dieses straffe Programm geplant?
…
Wir haben den Wecker extra auf 7:30 Uhr gestellt, um früher loszukommen
Und dann wird uns in Georgien schon wieder 1 Stunde geklaut
Wir gehen frühstücken… das typische türkische Frühstück
Ein Türke spricht im perfekten Deutsch Louis an, er kommt aus Köln
Er fragt, was wir hier machen, denn hier verirrt sich normalerweise kein Deutscher
Kurzes, lustiges Gespräch
Es ist heute Morgen um 8:30 Uhr schon sehr heiß, zudem müssen wir unsere Maschinen in der prallen Sonne packen
Gegen 9:10 Uhr kommen wir los, 2 Stunden früher als gestern
Wir schlängeln uns durch den dichten und zähen Verkehr durch Samsun
Obwohl es zweispurig und manchmal dreispurig ist, ist sehr viel los
Erst nach circa 50 km können wir schneller fahren
Von hinten kommen drei Motorräder angefahren, Italiener
An der Ampel erzählt mir einer, sie fahren nach Kasachstan
Wir fahren eine Zeit lang zu fünft, als wir plötzlich von der Polizei rausgewunken werden
Alle Autos dürfen durch, nur wir Motorräder müssen raus
Ein Polizist läuft mit dem Tablet um die Maschinen rum und tippt die Kennzeichen in sein Hackbrett
Wahrscheinlich haben die uns nur wegen den Italienern rausgefischt – Louis meinte, wir waren halt im gleichen Netz
Nach 150 km fahren wir an die Tanke, Pause mit Espresso und Wasserkauf
Der sehr nette Tankwart fragt uns auf Englisch aus, woher wir kommen und wohin wir wollen
Dann dürfen wir noch ein Bild zusammen machen
Das vierte Mal jetzt unterwegs die selbe Frage von wildfremden Menschen „Vater und Sohn?“ … „Sieht man!“
Viele Türken hier sind sehr nett, hilfsbereit und zuvorkommend, aber dann gibt es auch noch die anderen, die einfach nur grimmig gucken und nix sagen
Aber das ist wie überall auf der Welt – außer im Schwabenland
Wir fahren immer zwischen 28° und 29°
In den ersten 2 Stunden heute Morgen hat die Sonne richtig geknallt, das war hart
Jetzt hat sie sich hinter den Wolken versteckt, und bei gleichbleibenden Temperaturen ist es sehr angenehm zu fahren
An der roten Ampel stehend schreit mir plötzlich jemand ins Ohr – der Muezin fordert mich heraus
Wahnsinn, wie laut es aus den Lautsprechern kommt, als ob man die Leute zum Gebet aufwecken muss
Je weiter wir Richtung Osten kommen, desto weniger Verkehr ist los
Nach 140 km tanken wir beide – wieder viele Kilometer gemacht
Wir ruhen uns noch ein wenig aus und der Tankwart bringt uns zwei Tee – voll nett
Mein Kamerad aus Moskau meldet mir, dass sich die Spritsituation in Russland gegenüber letzter Woche verbessert hat
Kurz bevor wir weiterfahren wollen, kommen die 3 Pizzabäcker von heute Morgen mit ihren Motorrädern an die Tanke
Wir tauschen Homepage, Instagram und das ganze neumodische, jugendliche Zeugs aus – aus dem Alter bin ich halt schon seit sechs Jahren raus
Sie fahren auch über Russland, Kasachstan und danach nach Usbekistan
Wir fahren weiter und immer an der Schwarzmeerküste entlang
Wir kommen sehr gut voran, außer in den größeren Städten, da ist oft viel los und man muss sehr aufpassen
Die Türken fahren halt kreuz und quer, und man sollte immer den Nebenmann beachten, kann sein, dass der auf einmal ausschert
durch Trabzon verfolgt mich ein voll beladener Reisebus, klebt dicht an meinem Nummernschild bei 100 km/h
Und ich kann auch nicht schneller fahren, da ich einen Vordermann habe
Das stresst mich ungemein!!!
wenn ich, wie damals James Bond, eine Box mit Reisnägeln hätte, den Knopf würde ich jetzt drücken
Der Busfahrer würde nie mehr so dicht auffahren
…
Wir fahren wieder knapp anderthalb Stunden, langsam tut der Arsch weh
Habe ich auf dieser Maschine bisher noch nicht erlebt
Ok, nach ungefähr 3500 km am Stück meckert der halt auch mal
Ca. 80 km vor der georgischen Grenze fahren wir raus, wir brauchen irgendwas im Bauch
Der Supermarkt an der Tankstelle voller Obst (schön wäre es gewesen), aber wir kaufen ein Snickers-ähnliches Gelumpe
Louis bucht in Batumi ein Hotelzimmer – somit müssen wir heute über die Grenze
Das Süßzeug hat überhaupt nicht geholfen – ich packe meine Notreserven mit Dosenwurst und Huober Brezeln aus
Wir trinken noch zwei Espresso, denn müde Motorrad fahren ist ultra anstrengend
Wir fahren weiter bis zur Grenze
Einige Kilometer vor der Grenze stehen schon die LKW’s Schlange
Wir haben uns wieder vorgedrängelt
Schichtwechsel bei den Beamten, wir müssen warten
Als wir drankommen, checken wir aus der Türkei aus
Der Beamte meinte zu mir, ich müsste vorne an der Bank noch Strafe zahlen – wahrscheinlich irgendwo zu schnell gefahren
Wir steigen auf die Maschinen, fahren 100 m vor und ich gehe zur Kasse
7 Euro Strafe… Ich lach mich kaputt
Ich bezahle, wir steigen wieder auf die Maschinen und fahren weiter
An der nächsten türkischen Station winkt uns ein Beamter raus und zeigt auf Louis
„Du Strafe zahlen“
Wir steigen wieder ab, laufen zur Bank zurück und gehen an den Schalter
1 Euro Strafe…!
Ich dreh gleich durch…!!!
Wegen einem Euro wieder diese Prozedur
Wir laufen wieder zu unseren Maschinen, steigen auf und fahren vor zum Türken, jetzt lässt er uns durch
Dann schlängeln wir uns an die georgische Grenze vor und müssen noch einige Minuten warten
Ich sage dem Beamten, dass wir eine georgische Kfz-Versicherung für unsere Motorräder online abgeschlossen haben, aber das interessiert ihn nicht
Er gibt uns die Papiere, und mach die Schranke auf
Nach der Schranke steht noch mal einer in Zivil da
Er meinte, wir benötigen dringend eine Kfz-Versicherung, diese können wir bei ihm abschließen
Als ich ihm klarmache, dass wir online schon eine abgeschlossen haben, wollte er uns eine Simkarte andrehen, dann noch Zigaretten, Alkohol, Frauen und so weiter
Ok, Frauen nicht, war ein Scherz 😉
Clever wie ich bin, habe ich gleich gemerkt, dass der nicht zu den Grenzern gehört, sondern einfach nur Kohle machen will
Er resigniert und lässt uns durch
Wir haben nur noch 6 km bis zum Hotel vor uns
Von der Hauptstraße geht es rechts ab und steil den Berg hoch, der immer kleiner und enger wird und mit Schlaglöchern übersät ist
Dann kommt das Hotel und wir müssen einen engen 90°-Bogen nach oben auf eine Wiese fahren
Und das mit je ca. 450 Kilo – ist wirklich eine Herausforderung!
Aber es geht alles gut
In diesem Hotel haben wir kein Frühstück gebucht, das ist sehr gut, dann kommen wir morgen auch früher los
Tolles Zimmer mit Balkon und Aussicht zum Meer
Wir duschen, ziehen uns um und die Hotelfrau bringt uns zu einem einheimischen Restaurant
Dort gibt es geschmortes Lamm und geschmortes Schwein mit Kartoffeln und Salat – sehr lecker
Anschließend laufen wir in unser Hotel zurück und machen das übliche
PS: Das mit den Bildern ist ein Graus! Es klappt einfach nicht wie die letzten Jahre, so dass diese groß auf dem Bildschirm rauskommen!!!
Die Nacht war super, nur 12°, wir haben sehr gut geschlafen
Heute frühstücken wir zum ersten Mal in diesem Urlaub
Ohne Frühstück fährt es sich in der Regel besser, denn man wird nicht gleich hundemüde
Aber im Hotelpreis ist Frühstück inbegriffen, und als Schwabe lässt man sich das nicht entgehen
Das Frühstück ist genauso, wie ich es von den letzten Jahren in den nicht touristischen Gegenden in der Türkei kenne
Auch das 200 ml Wasser in abgepackten Plastikbechern ist inbegriffen
Hier ist Plastik noch hoch im Kurs
Die Türken haben es gut, sie sind von den Grünen anscheinend noch verschont geblieben
Louis macht sich Sorgen um seine Wasserpumpe
Er hat jetzt schon die zweite neue Wasserpumpe und der Ausgleichsbehälter ist wieder auf Minimum
Er schreibt eine WhatsApp an den Mitarbeiter von BMW Brauneisen
…
Seit Wendlingen ist das Autobahnfahren nun vorbei, jetzt geht es nur noch über die Landstraße durch die Türkei
Ok, in Österreich sind wir auch Landstraße gefahren, aber in Slowenien dann wieder auf die Autobahn
Das waren dann über 2000 km Autobahn bis hierher
Jetzt geht es halt nicht mehr so schnell vorwärts
Louis baut sein Zelt auf und stellt das noch in die Sonne, damit die restliche Nässe von Slowenien noch rausgeht
Wir packen die Maschinen und fahren gegen 11:10 Uhr los
Es geht auf die zweispurige Landstraße, wir können schnell fahren und machen gut Kilometer
Dann geht es in die Berge, und wir können mit hoher Geschwindigkeit mal wieder schöne Kurven fahren
Ich drücke auf meinem Cardo den Knopf, um mit Louis Kontakt aufzunehmen – besetzt
Nach einer Weile meldet er sich und erzählt, dass der Kollege von Brauneisen über WhatsApp ihn angerufen hat
Der niedrige Kühlwasserstand könnte daran liegen, dass beim Wechseln der Wasserpumpe eventuell noch Luft im Kreislauf war
Wir sollen mal auf die Mitte auffüllen und beobachten
Aber toller Service von BMW Brauneisen!
…
Irgendwann kommt der erste Stau, und es ist kein Grenzau
Trotz Frühstück und ohne Kaffee fahren wir 100 km, ohne müde zu werden
Louis tankt
Ich trinke einen Espresso und dann wieder anziehen, denn schon schreit der Muezin von seinem Turm runter
Wir fahren schnell weiter, denn es wird laut
Was mich wundert, wir sehen keinerlei Polizei
Vor fünf Jahren, als ich mit meinem Bruder durch die Türkei gefahren bin, sind wir gefühlt alle 100 km angehalten worden, Führerschein und Fahrzeugschein
Okay, das war auch 2021, während dem Corona-Fake
Die Landschaft wird immer schöner, und obwohl es zweispurig ist und wir immer schnell fahren können, ist es was anderes als die 2000 km Autobahn davor
Es geht durch die schönen Berge, hoch und runter, links und rechts
Gefährlich sind die LKWs, die manchmal schnell rausziehen, und dann wird auch mit 110 km/h überholt
Das Wetter ist heiß, 32° und von oben brüllt noch die Sonne
Wenn es mit dem Sitzen nicht mehr so klappt, machen wir ein wenig Gymnastik auf dem Motorrad
Für 30 Sekunden mal hinstehen, die Beine durchdrücken, die Hüfte kreisen lassen und schon sitzt man wieder besser
Wir fahren gut anderthalb Stunden und 150 km, dann fahren wir tanken
An der Tanke spricht uns Halid an
Halid ist älter als ich, ich schätze ihn auf circa 50, und erzählt, dass er bis vor 30 Jahren in Lüdenscheid gewohnt und gearbeitet hat
Er lädt uns beide zu einem Cappuccino ein und es wird ein sehr nettes Gespräch
So was liebe ich… in entfernten fremden Ländern Menschen kennenlernen, wie sie leben und was sie so machen, Smaltalk und dann geht’s weiter
Kurz vor Samsun machen wir wieder eine Pause, um nach einem Hotel Ausschau zu halten
Louis tankt und recherchiert anschließend
Wir finden in Samsun, eine halbe Stunde entfernt, etwas, alles andere wäre viel zu weit weg
Wir fahren nach Samsun rein und schlängeln uns durch die Großstadt, katastrophaler Verkehr
Dank Google Maps finden wir das Hotel relativ schnell und dürfen auf dem breiten Gehweg parken
Uns wird gleich ein Chai serviert, und der Kollege bringt unser Gepäck nach oben
Zimmer mit Ausblick zum Schwarzen Meer
Wir duschen, ziehen uns an und gehen essen
Unterwegs werden wir vor einem Türken angehalten, der vor seinen Laden sitzt und frische Kirschen ist
Wir nehmen dankend an und reden auf Deutsch und er auf Türkisch
Wir unterhalten uns prächtig
Plötzlich quietschen auf der Straße Reifen und es tut einen Riesenschlag
Ein Auto ist dem anderen reingekracht
Die Türken rennen und schauen sich das Ganze an
Einer kommt zurück, greift in den Kühlschrank eine Flasche Wasser und bringt es einem Fahrer, der ist etwas neben sich
Wir verabschieden uns von dem Kirschenmann, bedanken uns und ziehen weiter
Wir suchen ein Restaurant, erst das vierte Restaurant gefällt meinem Louis
… und ich habe so Hunger!!!
Wir essen gemütlich und laufen danach durch die beleuchtete Innenstadt
Auf dem Weg zum Hafen ist ein kleines Fest, gehört sicherlich zu dem Feiertag aufgrund des Militärputsches von damals
Wir laufen am Strand entlang und strecken den Fuß einmal ins Schwarze Meer
Nach einem langen Fußmarsch gehen wir zurück ins Hotel und gehen unserer Arbeit nach
In Laos damals habe ich einen Russen kennengelernt, der in der Nähe von Moskau wohnt
Mit ihm habe ich ständig Kontakt, er hält mich auf dem Laufenden, was so wirklich in Russland los ist
Wir machen uns ein bißchen Gedanken über die Lage, über das Geld, welches „druckfrisch“ sein sollte, und wegen der Benzinknappheit
Louis hat heute Nacht noch offline-Karten runtergeladen, falls wir in Russland Probleme mit dem Internet haben und nicht mehr navigieren können
Heute wollen wir aus Serbien raus, durch ganz Bulgarien fahren und in die Türkei rein
Ist von den Kilometern her gleich wie wir gestern gefahren sind, ca. 570
Gestern war das Ärgerliche, dass wir über anderthalb Stunden in Zagreb vergeudet haben
Das muss heute besser werden, aber es ist ja auch kein Sonntag mehr
Die offline-Karten von Russland sind drauf, allerdings kann man nicht irgendeine Stadt als Ziel eingeben, das geht leider nicht
Man muss in die Karte rein zoomen und dann ein Ziel antippen
Hm… das muss noch verbessert werden, aber wir haben ja noch ein paar Tage Zeit
Dann kommt das nächste Problem, das Problem mit dem Geld
Die russischen Banken akzeptieren anscheinend Euros nur mit neuen Scheinen, ohne Falten und Knicke
Ich hab meine Hunderter schön im Gürtel versteckt, gefalten, gebogen und geknickt
Hm…
…
Sehr schlecht
Louis hat zum Glück alles geglättete Scheine
Somit werde ich nachher noch in Bulgarien auf die Bank gehen, die letzte Möglichkeit an Euros zu kommen
Dann gibt’s noch ein Problem mit Louis‘ seiner grünen Versichertenkarte
Sie ist ihm schon seit ein paar Tagen versprochen worden, aber immer noch nicht da
In Bulgarien will er die Versicherung noch mal anrufen, denn in der Türkei benötigen wir diese zur Einreise
10:45 Uhr haben wir gepackt und fahren los
Nach 1 Stunde muss Louis tanken, es geht auch wieder nur mit Bargeld
Eine Kleinigkeit essen, Espresso, dann geht’s weiter
Die Landschaft wird schöner, von nur geradeaus kommen jetzt auch ein paar kleinere Berge mit Kurven
Wir reden über unsere Cardo über die Norwegen-Tour und wie er da mit seiner Suzuki SV 650 hochgekommen ist
Und wie entspannt das jetzt mit der GS ist
Ich habe ja noch nicht viel Erfahrung mit verschiedenen Motorrädern, aber die GS ist schon ein Highlight und ich kann mir nicht vorstellen, was man da noch alles verbessern oder anders machen könnte, sie ist einfach perfekt
Und für Louis ist es natürlich ein Riesending, der Tausch seiner Blechbüchse gegen die GS
Perfekte Reisemaschine, und man kann sie unendlich beladen
Wir kommen an die Grenze zur Ausreise aus Serbien und schlängeln uns auf der Buslinie an den Autos vorbei nach fast ganz vorne
Dann stehen wir, stellen die Maschinen ab und warten
Es ist heiß, wir schwitzen
Ab und zu können wir die Maschinen 3 m nach vorne schieben
Nach circa 25 Minuten sind wir endlich dran, die Kontrolle geht recht schnell und wir fahren zur nächsten Grenzkontrolle zur Einreise nach Bulgarien
Dort schlängeln wir uns auch nach vorne und brauchen circa 20 Minuten
Dann sind wir in Bulgarien und fahren auf der Autobahn weiter
In Sofia fahren wir raus, tanken, essen, trinken und holen Bargeld am Geldautomat
… denn wir brauchen glatte Scheine für Russland!
Louis bekommt 1200 € in Zwanziger Scheine und ich bekomme 800 € in Zehnerscheine – Super Sache!!!
Jetzt bräuchten wir nur noch einen Geldkoffer
Wir bemerken, dass die Bulgaren uns 1 Stunde geklaut haben, es ist 16:00 Uhr, statt 15:00 Uhr
Okay, wir akzeptieren
Noch 280 km bis in die Türkei, das wollen wir noch schaffen
Die Wolken ziehen zu, es sind 24° und ein kühler Wind geht… Perfekt zum Motorrad fahren
Auf der Autobahn ist sehr wenig bis gar nichts los
Wir fahren nebeneinander her und filmen uns, für YouTube
Ich glaub jetzt bin ich auch ein YouTuber
120 km vor der Grenze wird Louis müde und wir fahren raus
Ich lade ihn zu einem Espresso ein, der erste in seinem Leben
Auf diesem Parkplatz stehen viele Autos mit deutschen Kennzeichen, hauptsächlich Berliner
Aber es ist kein einziger Deutscher dabei, alles Türken
Die packen ihren Teppich aus, Kopf nach Mekka und fangen an zu beten
Louis ruft bei der Versicherung an und bekommt als Antwort, das Mail ging heute Mittag raus
Aber es ist nichts angekommen
Die Frau schickt es gleich noch mal und prompt ist es im Posteingang
Das war kurz vor knapp
Louis bucht noch eine Unterkunft in Edirne
Als wir dann weiterfahren, werden wir von allen betenden Türken überholt
Dann kommen wir an die Grenze zur Ausreise aus Bulgarien und drängeln uns wie üblich vor
Die ganze Prozedur dauert circa 20 Minuten
An der Grenze zur Einreise in der Türkei müssen wir an vier Stationen vorbei
An den ersten beiden Stationen wird das gleiche kontrolliert, Personalausweis und Fahrzeugschein – doppelt kontrolliert, aber macht natürlich Sinn!
An der dritten Station wird die grüne Versichertenkarte verlangt
An der vierten Station müssen wir unsere Koffer öffnen
Dann waren sie zufrieden und wir konnten weiterfahren
Nun fahre ich zum vierten Mal mit dem Motorrad in die Türkei rein
Wahnsinn, jetzt sind erst drei Tage vergangen und wir sind schon in der Türkei
Es fühlt sich an, als wenn wir schon eine Woche unterwegs wären
Wir fahren nach Edirne und suchen erst mal eine Tankstelle
Wir werden von kleineren Rollern überholt und von allen Seiten angehupt
Wir sind eine kleine Attraktion
an der Ampel fährt ein junger Kerl mit seiner 250er neben Louis
Er gestikuliert und lacht und zeigt auf unsere Motorräder
Wir tanken und suchen dann unsere Unterkunft
Dort dürfen wir unsere Motorräder in die Garage stellen, die leider aber zu klein ist und nur eine Maschine reinpasst
In der wunderschönen Unterkunft angekommen müssen wir erst mal raus aus unseren verschwitzten Sachen
meine Unterhose ist nass, als hätte ich… naja, lassen wir das
Mit der Zeit wird es echt kritisch, unsere Motorradklamotten fangen langsam an zu muffeln
Es wäre mal Zeit für einen Tag Pause und alles durch zu waschen
Louis verweist auf meinen straffen Zeitplan, der einen Tag Pause nicht vorsieht
Leider hat er recht…
Vorgestern waren wir noch 3 Stunden hinter meinem Zeitplan, jetzt sind es 7 Stunden
Aber egal, wir sind ja im Urlaub und nicht auf der Flucht… noch nicht!
Wir duschen und gehen draußen irgendwo was essen
Anschließend müssen wir ein wenig auslaufen und gehen über Umwege zu unserem Apartment zurück
Was wieder sehr schlimm hier in der Türkei zu sehen ist, das sind die vielen herumstreunenden Hunde und Katzen
In unserem Zimmer machen wir wieder das Übliche für den Rest der Welt da draußen
gegen Mitternacht sind wir ins Bett, es hat nur geschüttet, geblitzt und gedonnert
Ca. 7:00 Uhr wache ich auf, die Sonne scheint schon wieder, und so soll es heute auch bleiben
Louis schnarcht noch in seinem Zelt neben mir, und steht dann nach 8:00 Uhr auf
Während dem Packen fährt einer über die Wiese, schaut verschlafen aus seinem Autofenster zu uns, überlegt kurz, fährt aber dann wieder weiter
Dann packen wir vollends und müssen heute ohne Dusche weiter
Abfahrt 9:30 Uhr
Wir fahren die paar Kilometer auf der slowenischen Autobahn und kommen dann gut über die Grenze nach Kroatien
Am Rande von Zagreb fahren wir raus und wollen zum Supermarkt
Wir fahren an der Arena von Dynamo vorbei und tanken erst mal
Im Urlaub weißt du nie, welcher Wochentag ist, außer wenn der scheiß Sonntag ist (sorry, aber musste raus!) und du vor dem Supermarkt stehst und der zu hat 😤
Wir fahren noch ein paar Supermärkte an, aber alle zu
Komisch, in den südlichen Ländern haben die großen Supermärkte wenigstens bis 12:00 Uhr auf
In Kroatien nicht
Wir fahren ziemlich genervt durch Zagreb und sind schon wieder komplett durchgeschwitzt
An der nächsten Tankstelle fahren wir raus und kaufen dort ein
Louis frühstückt, ich trinke erst mal 1 l Wasser und einen Espresso
Kurz vor der Abfahrt spricht uns noch ein Kroate auf Deutsch an
Er meint an der Grenze zu Serbien müssen wir lange stehen, oder mit unseren Motorrädern vorbeifahren
Da fällt es mir von den letzten Reisen durch Serbien auch wieder ein, wir müssen ja raus aus der EU und hinter Serbien wieder rein in die EU
Puh…
Danach auf die Autobahn und mit Vollgas durch Kroatien
Wir ziehen es durch, anderthalb Stunden mit 130 km/h über die Autobahn
120 km vor Serbien machen wir Pause (13:30) und diskutieren, was wir machen
Louis kauft sich eine eSIM für Serbien, ich denke da kommen wir heute nicht mehr raus, es wird zu spät
Kurz vor der serbischen Grenze bei 130 km/h auf der Autobahn flattert irgendwas von Louis‘ Motorrad weg!
…
Der leere Wasserkanister fliegt durch die Gegend
…
Ok, Schwund hat man immer
Vor zwei Jahren auf dem Weg ans Nordkap ist mir meine Zeltlampe über die Autobahn geflogen
Naja, kommt vor…
…
Wir kommen an die Grenze zur Ausreise von Kroatien
Mega Schlange
Aber es gibt Lücken und wir schlängeln uns durch bis kurz davor
10 Minuten später sind wir an der Reihe
Wir stehen parallel und geben alles zusammen ab
Ruckzuck werden wir weiter gewunken und fahren zur serbischen Grenze zur Einreise
Der Grenzer nimmt meine Papiere, schaut lächelnd mein Motorrad an, dann Daumen hoch und „Good Trip“
Wir haben beide Grenzen innerhalb von 25 Minuten passiert, hätten wir nicht gedacht
Dann weiter Vollgas über die serbische Autobahn, bis mein Sprit zur neige geht
An der Tanke ist nur Barzahlung möglich
wir tanken beide Motorräder auf einmal voll
Nach meiner Rechnung müssten es circa 67 € sein, verlangt hat er 74 €
Ok, Umrechnungsfehler meinerseits
Louis aktiviert seine eSIM und wir beschließen, noch eine Weile zu fahren
Wir fahren noch anderthalb Stunden mit 130 über die serbische Autobahn
Belgrad wird großräumig über die Stadtautobahn umfahren
Ist auch besser so…!
schlechte Erfahrungen gemacht vor zwei Jahren; Champions League, zweimal eins auf die Mütze gekriegt, einmal vor dem Spiel und einmal während dem Spiel
Nach anderthalb Stunden Fahrt machen wir Pause und Louis sucht wieder nach Campingplätzen
Er stellt fest, dass hier in Serbien eine Wohnung nur die Hälfte kostet wie ein Campingplatz in Österreich
Wir beschließen heute nicht zu campen und finden eine Ferienwohnung für 25 € in Jagodina
Nach 30 Minuten Fahrt finden wir fast auf Anhieb die Ferienwohnung
Gemütliches Zimmer mit 25 m² und kleiner Küchenzeile
Sogar zwei ausgepackte Zahnbürsten liegen bereit – cool, da brauchen wir unsere heute nicht benutzen
Wir machen noch von zu Hause mitgebrachte Nudeln, gebratene Zwiebel und Pesto mit Käse drüber
Anschließend duschen, und dann laufen wir ein bisschen durch die Stadt
Und wie das Laufen gut tut!!!
Nach zwei Tagen fast ohne Bewegung, mega!
Wir finden eine Straße, in der eine kleine Bühne aufgebaut ist und eine Band macht Musik
Sehr viele Leute sind drumherum und singen und tanzen
Wir schauen ein bisschen zu und genießen die Atmosphäre
Anschließend laufen wir über Umwege nach Hause
Louis schneidet seine Videos und ich bastle an der Homepage
–> Was mit den Bildern passiert, weiß ich auch nicht. Ich krieg die einfach nicht groß! Aber ich arbeite dran!!!
Er hat heute seine letzte praktische Abschlussprüfung, danach ist er Kfz-Mechatroniker
Gegen 13:00 Uhr meldet er sich, er ist fertig, fährt jetzt nach Hause und packt seine Maschine
Ich fange auch an meine Maschine zu beladen
Aufgrund dessen, dass pro Koffer maximal nur 10 kg zulässig sind, und ich bestimmt das Doppelte immer drin habe, habe ich jetzt eine neue Technik versucht, die Kofferhalterungen zu entlasten
Um 14:30 Uhr ruft Louis an und fragt, ob wir nicht doch morgen erst fahren sollen
…
Wir überlegen die nächste Stunde
16:00…
17:00…
18:00… Louis meldet sich, „Papa wir müssen los, Putin hat angerufen, er braucht uns“ 🤓
Kurz danach kommen Louis und Mama vorbei
Abschlussbilder und Film noch gedreht, und gegen 18:30 Uhr geht’s los
Gemütliche 33° und auf der Autobahn ist nicht viel los
Erste Rast 20 km vor dem Münchner Ring
Louis beim Campingplatz checken, er telefoniert, ist halt auch schon 20:30
Bei zwei Campingplätzen kommen wir zu spät an, da haben die dann schon zu
Bei einem Campingplatz geht der AB ran, „wir können kommen, es sind genügend Plätze frei“ – das hört sich sehr gut an
90 Minuten noch, wir fahren los
Kurz vor München biegen wir auf den Münchner Ring und kommen am hässlichsten Gebäude Deutschlands vorbei, oder sogar Europas, da streiten sich noch die Experten
Ein paar Kilometer weiter ein Exponat der Grünen, ein Hügel aufgeschüttet, ein Windrad hingestellt, welches sich nicht dreht
20 km vor dem Campingplatz tanken wir noch die Boliden voll
Als wir um 22:30 Uhr am Campingplatz ankommen, kommt sofort der Campingplatzbesitzer raus und meint „alles voll“
Super Sache, Kollege, du kommst aber früh mit dieser Info!
Ich habe ihn dann erst mal über seinen AB aufgeklärt, und dass der uns freie Plätze versprochen hat, und dass wir morgen früh gleich wieder abhauen
erst hat er noch ein paar Argumente rausgehauen, ist dann aber trotzdem mit uns losgegangen, einen freien Platz zu suchen
Und tatsächlich gab es auch noch einen Platz für unser Zelt
Dann Zeltaufbau, Louis geht duschen und ich schreibe am Bericht und ziehe Bilder von der Kamera für den ersten Reisetag
letzte Woche hat das nicht geklappt, da ich den Innentorx der Ablassschraube rund gemacht habe, weil irgendein Seggl beim letzten Ölwechsel die Schraube ohne Drehmomentschlüssel angezogen hat (ich)
mit WD40, ein bißchen hämmern und „aufschlagen“ der Schraube, ging die dann endlich auf
Öl abgelassen, 180ml nachgefüllt, neue Ablassschraube reingedreht
…wieder ohne Drehmomentschlüssel, da Louis den daheim hatte
Abends dann noch Louis geholfen, drei Sturzbügelschützer auf jede Seite vom Motorsturzbügel zu montieren
Somit sind die Zylinder nun doppelt geschützt
…kann man machen 😉
Tankrucksack noch montiert, der Rest kommt morgen vor der Abfahrt