heute Nacht habe ich noch Fotos von der beleuchteten Kirche und dem gegenüberliegenden Hotel gemacht, sieht voll schön aus
Um 8:00 Uhr stehen wir auf und gehen zum Buffet
Es gibt teilweise sogar andere Sachen wie gestern – sehr lobenswert
Anschließend packen wir unsere Maschinen und checken aus
Wir wollen 40 Minuten von Stalingrad entfernt noch den deutschen Soldatenfriedhof anschauen
Danach geht es weiter nach Borissoglebsk, dort habe ich gestern das Hotel gebucht
Heute ist es bewölkt und nur 20° draußen – optimal zum Motorrad fahren
Gegen 10:30 Uhr kommen wir los und auch gut aus Stalingrad raus
Nach 40 km fahren wir an einem russischen Soldatenfriedhof vorbei, 3 km weiter soll der deutsche Soldatenfriedhof kommen
Wir biegen von der Hauptstraße rechts ab und fahren 300 m einen Schotterweg entlang
Am Ende vom Schotterweg steht ein Schäfer mit seinen Schafen und schaut komisch
Hier gibt es keinen Friedhof
Wir fahren wieder zurück und schauen uns den russischen Soldatenfriedhof an
So viele Gräber…
Wahnsinn, wie viele da einfach mitmachen und ihr Leben riskieren, während die, die Krieg wollen, einfach nur am Schreibtisch sitzen und planen und überhaupt nichts riskieren
Wäre doch richtig schön, wenn Krieg wäre, und keiner geht hin
…
Das erste Mal seit langem sind wir nicht nass geworden, von innen
Nach dem Besuch des Friedhofs fahren wir weiter
Ca. 30 km hinter Wolgograd kommt hupend ein Auto hinter uns her und winkt uns freundlich raus
Es ist keine Polizei
Wir halten am Straßenrand und unterhalten uns mit Ivan über Google Übersetzer, so gut es geht
Er freut sich so sehr Deutsche zu sehen
Er zeigt uns Bilder vom Angeln und will uns wahrscheinlich zum Angeln einladen
Wir lehnen dankend ab, da wir ein Hotel in Borissoglebsk gebucht haben und weiter wollen
Dann macht er uns verständlich, dass wir hier 10 Minuten warten sollen, er würde uns Fisch holen
Zumindest haben wir das so interpretiert
Wir warten und sind gespannt
Keine Minute später hält ein russischer Motorradfahrer und fragt in gebrochenem Englisch, ob wir Probleme haben und ob wir Hilfe brauchen
Er ist auch nicht von der Polizei
„Nein, alles perfekt, wir warten nur auf einen von deinen Kameraden“
„Woher kommt ihr?“… fragt Bogdan.
„Deutschland“
„Was, Deutschland!?!“
Er meint dann nur lachend „Heil Hitler“ und klopft mir auf die Schulter
Dann kommt aber noch ein tolles Gespräch zu Stande, mit einem, der einigermaßen Englisch konnte
Anschließend fährt er weiter, und wir warten weiter auf Ivan
Keine 5 Minuten später kommt Ivan auf der anderen Seite an, rennt über die vierspurige Straße, macht einen Hürdensprung über die Leitplanke und schenkt uns eine Tüte
„Delikatesse“, sagt er
Wir unterhalten uns noch ein bisschen und machen Fotos
Das letzte, was er uns übersetzt, ist „Frieden für alle“
dann trennen sich unsere Wege
…
Wir fahren weiter und suchen nach Tankstellen
Die drei nächsten Tankstellen haben keinen Sprit
Langsam werden wir nachdenklich
Als die Reserveanzeige von Louis leuchtet, sehen wir eine Tankstelle auf der linken Seite
Es gibt Benzin, 95 Oktan, wir tanken voll
Da es auch hier immer wieder Polizeikontrollen gibt, nehme ich mein Geld in die Jackentasche
Das Korruptionsgeld kommt in die linke Hosentasche
Die Landschaft wird schöner, grüner und immer wieder kommen große Felder mit Sonnenblumen
Straßentechnisch sieht es leider anders aus
wie auf dem Weg nach Wolgograd so geht es auch hier auf dem Weg nach Moskau fast nur geradeaus
Wir vertreiben uns die Zeit während dem Fahren mit Schnick-Schnack-Schnuck
Nach circa 1 Stunde Fahrt wird Louis müde, kurz darauf kommt wieder eine Tankstelle
Ich will einen Cappuccino
man muss aber am Automaten ein Ticket ziehen, aber alles auf Russisch
Ich hol meinen Google Übersetzer raus und zeige es einem Mädchen hinter mir
Sie hilft mir, füttert den Automaten mit ihrer Geldkarte, und ich gebe es ihr in bar
Leider kommt die Zahl, die auf meinem Zettel steht, nicht auf dem Bildschirm
Nach 15 Minuten frage ich mal freundlich nach
Die Frau hinter der Theke schaut auf den Bildschirm, schaut meinen Zettel an, bruddelt irgendwas und lässt mir einen Cappuccino raus
Also, geht doch…
Dann kommt das Mädchen, welches mir mit dem Cappuccino geholfen hat, zu uns an den Tisch, sie heißt Alina
Sie spricht Englisch und fragt uns, wo wir herkommen und wo wir hinfahren
Sie fährt jetzt mit ihren Eltern zurück nach Wolgograd, sie studiert dort Medizin
Es entwickelt sich ein nettes Gespräch
Zum Schluss fragt sie, ob sie Bilder machen darf
Klar, natürlich, ihr Freund macht Bilder von uns dreien
Dann fahren wir weiter
Nach 150 km tanken wir wieder und sitzen dann sofort wieder auf
Die letzten 90 Minuten fahren wir durch
Die Landschaft ist schön, rechts und links sind viele Bäume, wir kommen uns vor wie in Finnland
Um 18:00 Hotel kommen wir am Hotel an, Google Maps führt uns direkt vor die Haustüre.
Wir checken ein und gehen in ein schönes, großes Zimmer
Wir buchen gleich Abendessen und Frühstück dazu
Im Zimmer schauen wir uns den Fisch von Ivan an
Es sind vier Fische in der Tüte
Weiß jemand, wie der Fisch heißt? @Sven…?
Wir dachten, der Fisch ist schon geräuchert und gleich verzehrbar
Aber er ist roh
Puh… leider können wir nichts damit anfangen, Ivan
Wir überlegen, was wir mit dem Fisch machen sollen, wegwerfen wäre zu schade
Dann dachte ich an die nette Rezeptionistin…
Die frag ich einfach mal
Ich gehe mit den Fischen nach unten, erkläre ihr, dass wir das von einem freundlichen Russen geschenkt bekommen haben und nichts damit anfangen können – sie könnte die Fische haben
Ohne zu zögern nimmt sie die Fische und bedankt sich herzlich
Sehr schön, freut mich, dass sie noch Verwendung finden
Tut mir leid, Ivan, aber trotzdem noch mal herzlichen Dank
Wir duschen und gehen dann einen Stock tiefer ins Restaurant
Dort sieht es aus wie in einer Kantine
Die Küchenchefin kommt raus und erklärt uns auf Russisch, was es gibt
Wir zucken mit den Schultern und fragen, ob sie Englisch kann
Aber selbst das hat sie nicht verstanden
Sie lächelt müde, geht wieder in die Küche, kommt aber sofort wieder zurück
Sie lächelt wieder, versucht es noch mal auf Russisch, merkt, dass wir nichts kapieren, und lächelt wieder
…
Da ist er wieder, der Berg mit dem Ochs…
…
Ein Russe steht auf, will helfen, und spricht uns in gebrochenem Deutsch an
Perfekt… Er übersetzt
Kartoffelbrei oder Bratkartoffeln, mit Fisch oder Hühnchen
Wir bestellen, die Küchenchefin ist zufrieden, wir bedanken uns bei dem Russen und setzen uns hin
Das Essen ist nichts besonderes
Die Rezeptionistin kommt in die Kantine und bedankt sich noch mal für den Fisch, er ist sehr lecker
Danach machen wir noch einen kurzen Spaziergang durch den Park in der Stadt
Im Hotel wieder angekommen setzt sich jeder an seinen Rechner
…
Ich suche wieder ein Hotel kurz vor Moskau, so dass wir morgen nicht mit den Motorrädern suchen müssen
Es gibt einige, aber es ist ziemlich zäh was zu finden
Entweder ist alles auf Russisch, oder es ist keine Mailadresse angegeben, oder die Homepage existiert nicht mehr
Kurz nach 9:00 Uhr gehen wir zum Buffet, ist sehr gut
Ich stehe wie immer verwirrt an der Kaffeemaschine und kann nichts lesen
Ich drücke auf das russische Wappen, in der Hoffnung, dass ich es vielleicht auf Englisch umstellen kann
… geht sogar auf Deutsch
Ich drücke auf schwarz-rot-gold, finde den Cappuccino-Knopf und lass mir diesen raus
Dann will ich den nächsten russischen Kaffee-Junkie beobachten, wie der/die sich zu helfen weiß
Die sollen sich auch mal wie ich fühlen, wenn man einen Kaffee will und nichts lesen kann
Dann kommt aber leider der Tellerwäscher vorbei, stutzt an der Kaffeemaschine, überlegt eine Weile, dann drückt er fünf mal rum und schon ist alles wieder auf Russisch
Schade…
Da ich noch nicht so vergesslich bin, konnte ich mir merken, welchen Knopf ich für den nächsten Cappuccino drücken muss – oben rechts
Louis geht schon mal aufs Zimmer, die Reservierung für das Hotel in Moskau hat noch nicht ganz geklappt
…
Die Reservierung hat Gott sei Dank nicht geklappt – das Zimmer war deshalb so billig, da es keine Fenster hatte, und Bad und WC auf dem Gang waren
Louis sucht ein anderes Hotel, findet eins, bucht es und bekommt auch sofort die Bestätigung vom Hotelchef
Es liegt zwischen dem ersten Ring und dem zweiten Ring
Kein Gefängnis, also mit Fenster und eigenem Bad und WC
Ich mache einen Plan, was wir heute noch alles erobern können
… anschauen können
Danach ruhen wir uns noch ein wenig aus
Draußen ist es sehr heiß und drückend
Kurz nach 14:00 Uhr kommen Wolken und es wird ein wenig angenehmer
Wir laufen die 1,8 km zur Wolga runter
Was hier einem auffällt, alles ist sauber, abends fahren die Kehrmaschinen durch die Straßen
Im Stadtpark liegt kein Papierschnipsel oder Zigarettenstummel rum
Tagsüber wird in den Unterführungen gekehrt
Es läuft kein Pack rum und niemand wirft einfach Zeug auf den Boden
…
Wir schauen uns den „Feuerlöscher“ an, der erste Feuerwehr Rettungsdampfer, der an zwei Kriegen teilgenommen hat
Wir laufen an der Wolgapromenade entlang und buchen eine zweistündige Schifffahrt
Wir bestellen uns auf dem Schiff einen Cappuccino und Louis ein hellblaues Giftgetränk
Wir fahren wieder am Museum vorbei, nebendran das Pawlow-Haus, dann das nicht fertige Riesenrad und das Stadion von Rotor Wolgograd
Im Hintergrund die Mutter-Heimat-Statue
An der Anlegestelle wieder angekommen, laufen wir weiter die Wolga entlang
Wir kommen an einem gepanzerten U-Boot vorbei, welches im Glaskasten eingelagert ist
Dieses U-Boot wurde mal zufällig am Boden der Wolga gefunden
Danach laufen wir zur Statue zu Ehren Lenins
Auf dem Weg zum Hotel finden wir den russischen Schuhladen „rieker“
Als hätte der Laden auf dem Weg sein müssen, denn Louis benötigt dringend Schuhe
Heute ist Sonntag, und der Schuhladen hat trotzdem auf
Louis findet sogar relativ schnell, was nicht gewöhnlich ist, die perfekten Schuhe
Wir kaufen die und laufen zum Hotel zurück
Dann duschen, umziehen und wir gehen diesmal raus ins Restaurant
Dort bekommen wir die Speisekarte, keine Bilder drauf, kein QR-Code, und wir stehen wieder wie der Ochs vor‘m Berg
Nach langem hin und her bekommen wir erklärt, dass es hier nur Pasta und Salate gibt
Wir gehen 300 m weiter, da gibt es ein Steakhaus – mit englischer Speisekarte
Dort essen wir, und es war gut
Im Hotel gehe ich noch 1 Stunde ins Fitness und Louis arbeitet
Den Hotel-Fehler machen wir diesmal nicht mehr, ich buche ein Hotel in Borissoglebsk, welches wir morgen ansteuern wollen
Dann ist auch der letzte Tag in Stalingrad beendet, wir haben viel erlebt und viel gesehen
eine lohnenswerte Stadt mit viel Geschichte – keine schöne Geschichte, aber Geschichte
Gegen 8:30 Uhr wachen wir bei herrlichem Sonnenschein auf
Gestern habe ich meinen russischen Freund bezüglich Moskau angeschrieben
Wegen Drohnenangriffe, Krieg, GPS, Spritknappheit, und überhaupt die Gefährlichkeit in Moskau
Heute Morgen schreibt er zurück, dass es in Moskau circa 4x im Monat Luftalarme wegen Drohnenangriffe gibt
GPS würde zu 90 % funktionieren
Ansonsten lohnt es sich auf alle Fälle, Moskau zu besuchen
Das Gefährlichste aus seiner Sicht ist der chaotische Verkehr
Oh, auch das noch…
Wir gehen frühstücken, Buffet
Danach chillen wir noch im Bett, Check out ist erst um 12:00 Uhr
Wir beschließen, Jekaterinburg, Sibirien und Kasan auszulassen – da komme ich dann sowieso auf meiner Mongoleireise automatisch vorbei
Der Plan ist, am Montag über zwei Tage dann direkt nach Moskau zu fahren
Moskau, Sankt Petersburg und Murmansk dann ausgiebig anschauen
Wir packen zusammen und fahren mit unseren Motorrädern zur Mutter-Heimat-Statue – 10 km
Wir fahren runter zur Wolga und am Fluss entlang
Wir kommen an einem noch nicht fertiggestellten Riesenrad und direkt am Stadion von Rotor Wolgograd vorbei
Wir machen eine Linkskurve und haben direkt vor uns den Mamajew-Hügel mit der Mutter-Heimat-Statue (diesen Hügel hatten mal die Deutschen eingenommen, dann wieder die Russen, dann wieder die Deutschen… so ging das hin und her)
Wir suchen einen Parkplatz und laufen im T-Shirt und Motorradhose in der prallen Sonne den Berg hoch – es sind 38°, wir schwitzen ein wenig
Beeindruckend, was alles gemacht wurde zum Gedenken an den Sieg der sowjetischen Streitkräfte
In der Schlacht von Stalingrad, die von Juli 1942 bis Februar 1943 ging, waren ca. 2.000.000 Soldaten beteiligt, die Hälfte davon sind gefallen
Im „Saal des Soldatenruhms“ stehen zwei Wachposten stocksteif vor dem ewigen Feuer
Ein anderer Wachmann kommt mit dem Tuch und wischt den stocksteifen Kameraden den Schweiß vom Kopf – sie dürfen sich nicht bewegen
Wir laufen hoch zur Mutter und setzen uns neben ihr in den Schatten
Von hier aus hat man auch einen herrlichen Blick auf das Stadion von Rotor Wolgograd
Von außen sieht das Stadion sehr schön aus – gut, das kann man natürlich nicht mit dem Neckarstadion vergleichen, das sind andere Welten!
Ans Neckarstadion kommt halt nichts ran…
Falls unsere Roten hier mal den Rotor drehen dürfen, ich biete mich sehr gerne als Reiseführer an
…
Anschließend gehen wir in die Russisch-orthodoxe Kapelle und zünden zwei Kerzen an
Diese Kapelle ist ein heiliges Denkmal, das den Helden der Schlacht von Stalingrad gewidmet ist und als Ort der Erinnerung für die gefallenen Soldaten dient
Nebenan ist noch das Stalin-Museum, welchem wir auch einen Kurzbesuch abstatten
Im Museum hecke ich mit Josef einen Schlachtplan aus
Danach laufen wir den Berg runter zu unseren Motorrädern
Wir fahren die restlichen Kilometer über Umwege aufgrund von vielen Baustellen zu unserem neuen Hotel
Heute waren es sagenhafte 18 km auf dem Motorrad
Als wir unsere Motorräder vor dem Hotel parken, kommt da ein Typ angelaufen und stellt sich davor
„endlich wieder Deutsche!“ sagt er und freut sich
Wir freuen uns ebenfalls
Martin aus Görlitz begrüßt uns
Er ist auch mit dem Motorrad unterwegs und fährt jetzt mit dem Zug für drei Tage nach Moskau, um sich die Stadt anzuschauen
Sein Motorrad kann er im Hinterhof des Hotels stehen lassen
Er macht das so, weil der Verkehr in Moskau angeblich eine Katastrophe ist
Das bringt uns zum Nachdenken – so könnten wir auch den Chaosverkehr in Moskau umgehen
Allerdings fährt man von Wolgograd 20 Stunden mit dem Zug, im Schlafwagen, und dann muss man die 20 Stunden auch wieder zurück
…
Wir begleiten Martin zum Zug
Martin kommt aus Polen und kann auch ein wenig russisch
Wir gehen zum Fahrkartenschalter und Martin checkt die Lage für uns, mit Hin- und Rückfahrt
Wir buchen noch nichts, haben jetzt aber die Zeiten, wann die Züge fahren
Wir lassen uns auch einen Plan der Zwischenstationen geben
Eine Idee wäre noch, mit dem Motorrad so dicht wie möglich an Moskau ran zu fahren, und dann vielleicht die letzten 3 Stunden mit dem Zug rein
Wir haben jetzt alle Informationen, verabschieden uns von Martin, der in den Zug steigt, und laufen Richtung Hotel zurück
Martin erzählte, dass es heute um Mitternacht und um 7:00 Uhr morgens angeblich Drohnenangriffe auf Wolgograd gegeben hat
In Wolgograd werden Raketen gebaut, deshalb ein beliebtes Drohnen-Ausflugsziel
Wir haben aber nichts mitbekommen
…
Auf dem Rückweg gehen wir noch in den Supermarkt und kaufen Trinken
Im Hotel dann duschen, umziehen und im eigenen Restaurant gehen wir essen
Wir diskutieren, wie wir das mit Moskau machen
Entweder wie geplant mit dem Motorrad nach Moskau rein, oder von hier aus mit dem Zug 20 Stunden und 20 Stunden wieder zurück
Oder wir suchen uns einen Zwischenstandort, den wir mit dem Motorrad anfahren, und von dort aus dann mit dem Zug nach Moskau rein
Wir wissen es noch nicht…
Nach dem Essen gehen wir draußen noch ein bißchen spazieren und schauen uns die Alexander Newsky Kathedrale an, die direkt neben unserem Hotel steht
…
Wir finden noch keinen Nenner wegen Moskau
Ich würde lieber den Zug nehmen, Louis findet das unnötig und will mit dem Motorrad reinfahren
Ein Hotel mitten im Zentrum haben wir schon gefunden, und man kann sogar ohne Kreditkarte buchen und bezahlen dann vor Ort
Auf den Bildern sieht es richtig schön aus – der Preis ist aber sehr günstig
Das macht mich stutzig…
Wir diskutieren wieder über Moskau
…
Letztenendes lasse ich mich breit schlagen und stimme zu mit dem Motorrad direkt in die Innenstadt nach Moskau reinzufahren
…
Wird schon gut gehen – aber halt auch viele Nerven kosten
Louis bucht das Hotel, ich schaue mir den Weg von Wolgograd nach Moskau an
so luxuriös haben wir schon lange nicht mehr geschlafen, und gut
Wir gehen zum großen Frühstücksbuffet, fast wie in Europa, außer dass die Schweinshaxe fehlt
Das Buffet ist mehr als ausreichend und auch sehr gut
Seit vielen Tagen trinke ich zum ersten Mal wieder einen guten Kaffee/Cappuccino
Wir beraten während dem Frühstücken, wie wir weiter vorgehen
GPS hat gestern in der großen Stadt Machatschkala funktioniert
Aber wie sieht es mit Stalingrad, Jekaterinburg, Kasan, Moskau, Sankt Petersburg… aus?
Stalingrad wäre die nächste größere Stadt, die wir uns anschauen wollen
800 km entfernt – dort wären wir in circa drei Tagen
Das ist unser nächstes Ziel, und dann mal schauen, ob GPS funktioniert
Falls das dort nicht funktioniert, werden wir auch nicht nach Jekaterinburg bzw. Sibirien fahren
Das macht dann keinen Sinn, da fährt man nur blind durch die Gegend
Der Spritmangel tangiert uns nicht wirklich – wir tanken immer voll, sobald eine Tankstelle kommt
Zudem habe ich noch meinen 5 l Reservesprit
Mein russischer Kamerad aus Moskau schreibt mir, dass es zwischen Moskau und Perm keine Probleme mit Benzin gibt
Gut…
Nach dem Frühstück waschen wir unsere Wäsche in der Dusche
Man hätte auch alles dem Hotel geben können, ein T-Shirt 3,50 €, ein paar Socken, 2€…
Für das Geld hätten wir alles wegschmeißen und uns neue Sachen kaufen können
1 Stunde lang suche ich meine Wäscheleine und finde sie nicht
Und ich bin mir so sicher, dass ich sie eingepackt habe
Unsere Spanner und Rätschen spannen wir zwischen den Motorrädern und hängen dort alles auf
Louis macht Mittagsschlaf und ich lese ein bisschen Fake-News aus Deutschland
Anschließend gehen wir zum Strand und legen uns die Sonne, und baden einmal im Meer
Baden im kaspischen Meer macht man nicht jeden Tag
Das Wasser ist warm und so gut wie nicht salzig
Der Strand ist total übersät mit Muscheln, man sieht kaum noch den Sand
Am Strand ist nicht viel los – es gibt Frauen, die sind im Bikini oder Badeanzug, dann gibt es aber welche, die mit Kutten ins Wasser gehen
Nach dem Meer hängen wir die Wäsche ab, sie ist trocken
Louis recherchiert wegen Kasachstan, Tadschikistan, Usbekistan…
Ich gehe eine halbe Stunde ins Fitnessstudio
Nach dem Duschen laufen wir in die Stadt und suchen ein Restaurant
Schon beim dritten Restaurant ist Louis zufrieden
Die Speisekarte zu lesen gestaltet sich immer äußerst schwierig
Wenn wir Glück haben, gibt es einen QR-Code auf der Speisekarte und wir können anhand der Bilder bestellen
Louis hatte zwei große Cevapcici mit wilden Kartoffeln, der Name des Gerichts war unaussprechbar, und Käsekuchen zum Nachtisch
Ich hatte Lammkoteletts mit Champignons
Das Essen war super lecker
Das Lamm war fast so gut wie bei meinem entfernten Bekannten aus Wiesbaden
Auf dem Rückweg ist Louis noch in den Supermarkt
An der Nusstheke konnte man sich eine Nussmischung selber zusammenstellen
Louis schaufelte fünf verschiedene Sorten von Nüssen in eine Tüte, die dann an der Kasse gewogen wird
Die Kassiererin war total überfordert, da man jede einzelne Nusstorte separat hätte wiegen sollen
Sie nahm die Tüte, ging mit der Nussmischung zu den Nüssen zurück und sortierte jede einzelne Nuss mit der Hand wieder raus und warf sie in die entsprechenden Boxen
Das war wohl nicht deutsche Korrektheit… äh tschetschenische!
…
Louis nahm anschließend eine schon fertig gemischte Packung Nüsse, die halt nicht ganz nach seinem Geschmack war
Wir gehen nach Hause und googeln unsere Strecke für morgen
Auf unserem Weg gibt es so gut wie keine Hotels, zumindest laut google Maps
Vielleicht läuft es dann auf Wildcampen hinaus
Anschließend entspannen wir noch ein wenig in unserem Luxushotel
um 4:30 Uhr bin ich aufgewacht, draußen ist es schon taghell – erinnerte mich sehr an Nordnorwegen vor zwei Jahren, wo es im Sommer nie dunkel wird
Die Luft ist super, wir haben das Fenster auf, und die ganze Nacht frische Kaukasus Luft
Ich schlafe weiter bis 7:30 Uhr
Die Sonne scheint, ich hänge die Motorradjacke und die Hose ans Motorrad zum Trocknen, und die Stiefel ebenfalls
Wir schalten unsere Rechner an und planen über Google Maps die nächsten Tage
Da Louis ein Dreivierteljahr Auszeit hat, war unser Plan uns in Norwegen dann zu trennen – er macht dann sein eigenes Ding über Norwegen, während ich so schnell wie möglich über Schweden heim fahren muss
Aufgrund der gesamten Situation hier in Russland macht er sich seit zwei Tagen Gedanken, ob er nicht nach Kasachstan fährt, vielleicht noch Tadschikistan, Usbekistan, Kirgistan…
Das heißt, wir würden uns schon viel früher trennen und ich würde Russland dann alleine machen
Mal schauen, was die Zeit so bringt
…
Vor allem suchen wir jetzt schon nach Hotels auf unsere heutigen Strecke, es gibt allerdings nur zwei in circa 250 km – aber das passt
Auf den nächsten 50 km kommen vier Tankstellen, danach 150 km nichts
Ein Tschetschene lädt mich zum Kaffee ein, die Unterhaltung läuft sehr schwierig
Die Tankstelle hier im Ort hat angeblich offen, sagt er, das probieren wir nachher gleich aus
Bis auf die Handschuhe ist alles trocken geworden
Die Chefin zeigt uns noch ihr Museum, mit uralten Waffen, traditionelle Kleider…
Danach dürfen wir sogar noch ein Bild mit ihr machen, natürlich muss zuerst das Kopftuch zurecht gerückt werden
Gegen 10:30 Uhr fahren wir los, 200 m zur Tankstelle
Es gibt Benzin, wir tanken je 8 l voll
Den Weg, den wir gestern in strömenden Regen gefahren sind, fahren wir jetzt in die andere Richtung bei herrlichem Sonnenschein
Ich höre meine Werkzeugbox immer wieder am Hinterreifen streifen
Plötzlich höre ich ein Geräusch und sehe im Rückspiegel den Verschlussdeckel der Werkzeugbox davon fliegen
Wir halten an
Ich dachte mir schon, dass die Werkzeugbox nicht ewig hält
Ich hole alles raus und verteile es in die Koffer
Da die Werkzeugbox aufgeplatzt ist, klebe ich sie mit Panzertape zusammen, in der Hoffnung es streift nicht mehr
Wir fahren weiter durch das herrliche Kaukasusgebirge
Bei jeder starken Bodenwelle höre ich wieder die Werkzeugbox am Hinterreifen streifen
Ich denke, ich werde sie heute Abend abbauen müssen
Wir fahren an einem Mini Supermarkt an der Straße raus und kaufen zu essen und zu trinken
Die Frauen versuchen, mit uns zu reden – sehr schwierig
Schade, dass ich Englisch in der Schule lernen musste, anstatt Russisch
Wir fahren weiter zu unserem nächsten Ziel, die Schlucht…
Eigentlich sind die Straßen echt gut, der Teer hat gut Grip, nur kommen hin und wieder die Bodenwellen
Manchmal sieht man die Bodenwellen gar nicht, dann tut es halt plötzlich einen Schlag
Auf die Frage hin, wie die Schlucht heißt, antwortet Louis „nicht aussprechbar“
Wir biegen von der Hauptstraße ab, und die letzten 3 km geht es offroad, Schotter- und Dreckpiste
Aber genau das haben wir vor zwei Wochen gelernt
Louis stellt 100 m weiter seine Kamera auf und wir fahren dann dran vorbei
Ist wirklich nicht einfach mit 450 Kilo über Schotter zu fahren
Aber je schneller man fährt, desto einfacher wird es
Nach guten 2 km hört die Schotterpiste auf einmal auf
Wir steigen ab, schauen uns die Lage an und merken, dass es wirklich nicht weitergeht
Wir drehen um und fahren die Schotterpiste zurück
Wir halten wieder an der gleichen Position von vorher und laufen ein Stück den Berg runter, den man unmöglich fahren kann
Man sieht von oben ein wenig die Schlucht, ist aber leider nicht so schön wie auf den Bildern im Internet
Wir beschließen zurückzufahren
wir fahren 30 km den Weg zurück und müssen dann links abbiegen zu unserer geplanten Tour und dem Hotel
Leider ist die Straße gesperrt, warum, haben wir nicht verstanden
Wir recherchieren und Louis findet eine andere Möglichkeit zum Aussichtspunkt zur Schlucht
Wir halten an einer offenen Tankstelle, und jeder macht den Tank mit 6,5 Liter voll
Wir fahren 27 km und finden tatsächlich den Aussichtspunkt zur schönen Schlucht runter
Wir machen ein paar Bilder, gehen dann zurück zu unseren Motorrädern und steuern Machatschkala, die Hauptstadt Dagestans, an
Louis hat dort auch schon ein Hotel gefunden, direkt am kaspischen Meer
In der Hoffnung, das GPS funktioniert bis zum Hotel
Wir machen uns auf den Weg der letzten 84 km durch das wunderschöne Land
Heute ist es selbst auf der Landstraße schlimm mit dem Verkehr
Die fahren so dicht auf, überholen so dicht an einem vorbei – Katastrophe
Wir kommen der Stadt immer näher und das GPS funktioniert weiterhin
Von weiten sieht man schon die Größe der Stadt, sehr groß
Wir kommen in die Stadt und es ist gefühlt Feierabendverkehr
Auch hier wird geschnitten, dicht aufgefahren, und überall hupt es
Ich bin schon zweimal mit dem Motorrad in die Innenstadt von Istanbul rein gefahren, aber das hier ist gefühlsmäßig schlimmer
4 km vor dem Hotel flucht Louis über das GPS – weg!!!
Scheiße…
…
Dann ist es plötzlich wieder da, dann wieder weg, und wieder da
Es hakt… aber schließlich finden wir das Hotel
Absteigen, ausziehen, reingehen
Aber Google Übersetzer fragen wir nach einem Zimmer – nichts frei, wir sollen zum Metropol gehen
Ok… anziehen, aufsteigen und in den Feierabendverkehr wieder einordnen
5 Minuten später finden wir das Metropol, absteigen, ausziehen, reingehen
Kein Zimmer frei
Louis googelt das nächste Hotel
anziehen, aufsteigen und in den Feierabendverkehr wieder einordnen
Das nächste Hotel angefahren, absteigen, ausziehen, reingehen
Kein Zimmer frei
Es ist 20:30 Uhr und wir sind ziemlich fertig
Hotels gibt es genügend
Wir fahren das vierte Hotel an, die gleiche Scheiße!!!
Mein Vorschlag: wenn das fünfte Hotel nichts wird, essen wir ganz gemütlich irgendwo was und fahren raus aus der Stadt und schlafen im Freien
Wir fahren das fünfte Hotel an und siehe da…
…
… auch kein Zimmer frei
Ich bin am Ende und Louis am Fluchen
In der Zwischenzeit ist es Nacht
Louis hat noch ein paar Hotels im Handy auf Lager
Mir ist es zu viel, schon wieder anzuziehen, aufzusteigen und das nächste Hotel in diesem katastrophalen Verkehr zu suchen
…
Von vorne kommen zwei Afghanen auf mich zu
Keine Hunde, sondern zwei Menschen aus Afghanistan, und geben mir die Hand
Sie wollen uns helfen
Sie rufen den Vetter von dem einen an, der perfekt Deutsch spricht
Er sagt zu mir, ich kann mich auf seinen Vetter verlassen, er wird ein Hotel für uns finden
Und anscheinend hat er wirklich eins gefunden
1,1 km entfernt
Louis googelt und findet den Weg
Die beiden Afghanen laufen los und wir mit den Motorrädern, dort treffen wir uns
Zu viert gehen wir zur Rezeption, die tatsächlich ein Zimmer für zwei Nächte haben
Wir brauchen eine Auszeit, und morgen mal so gut wie nichts tun
Wir sehen von dem Hotel zwar noch nicht viel, aber es ist ein Luxushotel, der Strand vor der Haustür, direkt am kaspischen Meer
Nicht weit weg von Aserbeidschan und auf der anderen Seite vom Meer ist Kasachstan
180 € für zwei Nächte mit Frühstücksbuffet – wir sind gespannt
Das Zimmer ist klasse, das Bad luxuriös
Wir duschen und vespern dann auf dem Zimmer unsere Notfallreserven – diese müssen wir morgen dann auf jeden Fall wieder auffüllen
Als ich mich mit dem WLAN verbinde, sprudeln plötzlich WhatsApp Nachrichten rein – das Hotel hat wohl einen eigenen VPN
Heute Abend machen wir nicht mehr viel, der Tag war aufregend genug
Heute haben wir mal wieder ausgeschlafen, bzw. länger geschlafen
Das Zimmer ist sehr schön und das Bett bequem
Wir machen uns schwarzen Tee, der im Zimmer bereit steht
Wir diskutieren noch mal und entscheiden, weiter nach Tschetschenien zu fahren
Es liegen einige Tankstellen auf dem Weg, in der Hoffnung, dass es irgendwo Sprit gibt
Dann müssen wir auch noch auf das GPS hoffen, dass auf dem Land hoffentlich funktioniert
Wenn in keiner Großstadt das GPS funktioniert, dann wird es auch sehr schwierig unsere geplanten Sehenswürdigkeiten anzuschauen
Es ist alles so ungewiss…
Wir könnten auch den Weg des geringsten Widerstandes gehen und wieder über Georgien einen anderen Weg einschlagen
Aber in der Regel gehe ich solche Wege nicht
Dann würde ich auch zum dritten Mal durch die ganze Türkei wieder Richtung Heimat fahren
Das will ich auch nicht!
Da fällt mir der Russe ein, der mich bei der Einreise nach Russland angesprochen hat
Ich hatte ihn dann wegen dem Spritmangel angesprochen…
Er meinte nur, ich solle mir keine Sorgen machen – wenn nichts mehr geht, einfach stehen bleiben, es werden Russen kommen und dir helfen
…
Wir packen unsere Maschinen und kommen kurz nach 10:00 Uhr los
Raus aus dem Hof und auf die Hauptstraße
Wir fahren keine 500 m, da hupt es von hinten wie verrückt
Samuel, der Spanier, mit dem wir gestern den halben Tag an der Grenze gestanden sind, kommt mit seiner KTM angefahren
Unglaublich, was für „Zufälle“
Obwohl… meiner Meinung nach gibt es keine Zufälle, alles hat einen Sinn!
Da er nach Kasachstan will, und das auf dem Weg Richtung Tschetschenien liegt, fahren wir zu dritt weiter
Das Problem ist nur Wladikawkas, und das ohne GPS
Wir irren zu dritt durch die Stadt und nehmen die Hauptstraße, die immer geradeaus führt, und hoffen irgendwie aus der Stadt zu kommen
Wir lassen tatsächlich die Stadt langsam hinter uns und kommen aufs Land – das GPS funktioniert leider immer noch nicht
Alle Tankstellen, die wir in der Stadt gesehen haben, haben kein Sprit
Das nicht vorhandene GPS und der nicht vorhandene Sprit machen mich sehr nachdenklich
Und WIR wollen nach Tschetschenien…
Die Stadt haben wir hinter uns, und die Hauptstraße endet auf einer Schotterstraße, wir halten
Wir diskutieren, was wir machen sollen, da hält ein LKW und ein PKW neben uns an
Wir wollen nach Dagestan, sagen wir… der Kollege im PKW gibt uns Zeichen, hinter ihm her zu fahren
Wir steigen auf, starten die Maschinen und fahren hinter ihm her
Immer wieder kommt eine Polizeikontrolle, der PKW-Fahrer wird rausgezogen
Wir halten auch an, und der Polizist fragt, was wir wollen
„Nach Dagestan“
Der Polizist zeigt zum Kreisverkehr, dort links abbiegen, und dann immer geradeaus
Wir bedanken uns bei dem PKW-Russen und fahren Richtung Kreisverkehr
Wir sind schon weit außerhalb der Stadt und immer noch kein GPS
Tankstellen sind hier sehr weit verbreitet, und an der 15. Tankstelle sehen wir Preisschilder und Autos stehen – hier gibt es wohl Benzin – das macht uns ein wenig Hoffnung
Louis schreibt mir plötzlich ins Ohr, „das GPS funktioniert“
Oha, das wäre natürlich ein Traum
Wir kommen noch mal an eine Tankstelle, die angeblich Sprit hat
Wir fahren raus und wollen das testen
Es ist nichts los, aber ein Tankwart sitzt in seinem Häuschen
Wir warten, ob er rauskommt und uns betankt – nichts tut sich, er bleibt still sitzen
Samuel geht fragen, ob es überhaupt Sprit gibt
Er meint tanken, danach bezahlen
Wir probieren es aus und es kommt tatsächlich Sprit
Wir beide füllen je 7,8 l in unserer Tanks, jetzt sind sie wieder randvoll
GPS geht, die Tanks sind wieder voll, das macht mich sehr zuversichtlich
Man merkt, dass man hier in Russland in einer ganz anderen Region ist – Tschetschenien ist muslimisch
Die Männer haben Hüte auf und tragen lange Ziegenbärte – die Frauen tragen alle Kopftuch
Wir vespern mit Samuel zusammen und er erzählt, wie viel Liter Sprit er zusätzlich an seinem Motorrad hat – 16 Liter irgendwo abgefüllt
Er schenkt uns eine 5 l Wasserflasche voll mit Benzin – er will nichts dafür
Wahnsinn!!!
Kurz darauf kommen drei G63 AMG an die Tankstelle gefahren – die Bärtigen steigen aus
Schicken wir eigentlich auch Steuergelder nach Tschetschenien? – ich frage für einen Freund!
Ein anderer Tschetschene mit Hut steht plötzlich an meinem Motorrad, und seine Frau macht Bilder
„Kollege, ist mein Motorrad, ich will auch aufs Bild“
Die Frau macht Bilder und beide sind glücklich
Hier an den Tankstellen kann ich nicht mal kurz einen Espresso trinken, das gibt es leider nicht – dann gibt es halt Kaffee aus der Blechdose
Den 5 l Eimer Benzin verstaue ich in meinem Topcase, das ist jetzt auch voll
Wir verabschieden uns von Samuel, denn er biegt demnächst nach links Richtung Kasachstan ab
Wir fahren noch circa 20 km und biegen dann nach rechts Richtung tschetschenischen Kaukasus
Nach ein paar Kilometern kommt ein großes Tor, dahinter stehen Grenzer, Armee oder Polizisten
Sie deuten uns an, anzuhalten
Es wird lustig, sie reden russisch, wir reden deutsch, keiner versteht was, aber alle lachen
Sie schauen Reisepass und Fahrzeugschein an und fragen noch einiges über die Maschinen – zumindest macht es den Anschein
Fotos mit den Kollegen und der MG dürfen wir nicht machen
Dann bekommen wir unsere Papiere und dürfen weiterfahren
Es geht höher ins Gebirge und das Wetter bringt Nieselregen und Nebel
Wir sehen maximal 5 m und es geht immer höher und der Regen wird stärker
Wir überschreiten die magische Höhenmeter von 1893
Wie soll es auch anders sein, danach klart es auf
Die Sonne kommt langsam zum Vorschein, die Straßen sind wieder trocken und wir können eine herrliche Aussicht auf dem Kaukasus genießen
Bei gutem 2200 m geht es langsam wieder nach unten
Die Landschaft ist wirklich traumhaft 🥰
Von 13°, Nieselregen und Griffheizung geht es wieder hoch auf 23° und Sonnenschein
Der Asphalt ist teilweise sehr gut, dann kommen aber wieder abgerutschte Hänge mit Dreck und Steine und manchmal auch ein paar Meter Schotterpiste
Aber genau deswegen hatten wir eine Woche vor unserem Urlaub ein Enduro-Training im Steinbruch gemacht
Auf die Viecher müssen wir auch achten – meistens sind Kühe auf der Fahrbahn, dann noch Schafe, Ziegen oder vereinzelt auch Pferde und Ponys
Über Sprit und GPS machen wir uns aktuell keine Gedanken
Das GPS läuft und Sprit haben wir jeder noch für 500 km
Ab und zu haben wir sogar offene Tankstellen gesehen
Jetzt ist 17:00 Uhr, wir machen eine Pause
Nach langer Zeit kommt in 15 km Entfernung wieder eine Ortschaft, dort wollen wir nach einem Hotel suchen
Wir sind gespannt, ob es das in dieser abgelegenen Gegend überhaupt gibt
Wir fahren weiter, kommen in den Ort rein, treffen wieder Polizisten, oder welche von der Armee, und Ruckzuck sind wir auch schon wieder aus dem Ort draußen
Von irgendwelchen Übernachtungsmöglichkeiten absolut keine Spur
Wir diskutieren kurz und wollen die Polizisten fragen
Wir fahren zurück, halten an, und versuchen über Übersetzer, denen klarzumachen, was wir wollen
Es wird ein lustiges hin und her übersetze
29 km zurückfahren und es wird ein Hotel für uns geben, in unserer Richtung gibt es nichts
Zurück bedeutet Rückschritt, ist eigentlich nicht in unserem Sinn
Aber der Wetterbericht spricht gegen wildcampen
Einer von der Armee ruft im Hotel an und reserviert für uns
Wir verabschieden uns, bedanken uns, und fahren los
Schon braut sich was zusammen, und innerhalb kürzester Zeit schüttet es wie aus Kübeln
Bäche stürzen rechts von den Bergen, manchmal kommen sogar Dreck oder Kieselsteine mit runter
Wir müssen ziemlich aufpassen
Louis‘ neue Motorradkleidung hält dicht – ich bin schon wieder bis auf die Unterhose nass
Als ich aus einer Kurve raus fahre, sehe ich einen circa 3 m breiten „reisenden Fluss“ über die Straße fließen
Ich fahr rein, geb gut Gas und komm somit auch gut durch
So, wie wir im Steinbruch die Flussdurchfahrt gelernt haben
Ich schrei ins Mikro „Louis, Fluss, gib Gas!“
Er fährt hinter mir rein, gibt zu spät Gas und ihm versetzt es das Vorderrad um ein paar Zentimeter, bis er auf der anderen Seite doch noch unbeschadet rauskommt
Voll Adrenalin und Puls auf 300
…
So fahren wir die letzten Kilometer nur noch im Nieselregen
Wir finden das Hotel sofort und die Frau wartet schon mit geöffneter Hofeinfahrtstüre
Einfaches Zimmer, einfaches Bad, aber Hauptsache ein Dach über dem Kopf
Wir ziehen alles aus und hängen es verteilt im Zimmer auf – morgen wird da trotzdem nicht viel trocken sein
Aber morgen soll wieder die Sonne scheinen
Wir duschen und laufen dann die 500 m zum Restaurant
Hier sitzen nur Männer mit Bärten und die Frauen mit Kopftuch bedienen
Wenn ich die Männer so anschaue, es gibt keinen ohne Bart
Nach dem Essen laufen wir wieder nach Hause zurück und arbeiten
Nach viereinhalb Stunden Schlaf stehen wir um 6:00 Uhr auf und machen uns Russlandfertig
Alle Dokumente zusammenstellen
Mein gutes Motorrad Navi tausche ich mit dem schlechten BMW Navi
Aber auf diesem sind offline-Karten für Russland drauf, könnten uns helfen, falls wir kein Internet haben
Wir packen unsere Motorräder und wollen die Maschinen gerade aus dem Hof schieben, als zwei Kühe auf der Straße entlang laufen – wir müssen warten
Wir fahren los zur Grenze und kaufen noch mal an einem Supermarkt Wasser
An der Grenze um 7:30 angekommen, treffen wir wieder die drei italienischen Motorradfahrer
Wir kommen relativ zügig an den Grenzposten zur Ausreise aus Georgien
Er macht aber Stress, da wir keinen Einreisestempel haben
Er telefoniert mit einem Kollegen, dann kommt noch mal einer vorbei, dann lassen sie uns aber durch
Wir hoffen das gibt an der russischen Grenze keine Probleme!!!
Die Weiterfahrt ist sehr abenteuerlich, zwischen LKWs durch, an Autos vorbei, dann stehen wir im Niemandsland vor einem zweispurigen Tunnel (in beide Richtungen)
Louis ist mit den Italienern ein Stückchen vorgefahren, meine Koffer haben Überbreite
Ich komme nirgends mehr vorbei und muss mich anstellen
Es ist zäh im stop and go, aber nur, weil der Gegenverkehr sich zweispurig aufgereiht hat
Nach einer langen Zeit ist der Verkehr geregelt und ich kann die restlichen 2 km direkt an die Grenze fahren
Louis ist schon bei den Russen im Häuschen
Sie wollen alle Papiere sehen, ich muss alle Koffer aufmachen und dann muss ich noch parken
Ich werde in ein Haus begleitet, wo Louis schon wartet
Jeder wird einzeln aufgerufen und kommt alleine zu einem Beamten zum Verhör
Dann bin ich fertig, muss aber mein Handy mit PIN da lassen, es wird durchgecheckt
Ich sitze mit Louis und den Italienern im von außen vergitterten Warteraum – auch die Fenster lassen sich nicht öffnen
Die Zimmertüre ist wenigstens offen
Ein Italiener fragt, ob er zu seinem Motorrad darf – der Grenzer lässt ihn kurz raus
Inzwischen ist es schon 10:00 und seit über einer Stunde sitzen wir zu viert in der Zelle
Mauri kommt mit einem Fresspaket zurück
Wir essen Tuc und Salami – das erste Essen heute, und es tut sehr gut
Jetzt noch ein Espresso, das wäre ein Traum!
Normalerweise können das die Italiener, nur heute nicht!
Ein Grenzer kommt und bringt mir mein Handy, nur meins
15 Minuten später bekommt Louis sein Handy zurück, sonst bekommen wir noch nichts
Weitere 10 Minuten später bekommen wir unsere Pässe und müssen uns draußen an der nächsten Station anstellen, um unsere Führerscheine zurückzubekommen
Und bevor wir die Führerscheine bekommen, müssen wir noch drei Formulare ausfüllen und dann anstehen
Und wir stehen… Wir stehen… Wir stehen…
Dann haben wir die Formulare zweimal falsch ausgefüllt und müssen diese noch mal ausfüllen und noch mal anstehen
Alles in allem dauert der ganze Schabernack sehr lange
Nach 9 Stunden, um 16:30 Uhr fahren wir nach Russland rein
Juhuuuuu…!
Wir fahren nach Wladikawkas, Louis hat eine Bank ausgemacht – die offline-Karten funktionieren
Wir merken, dass die Russen uns wieder 1 Stunde geschenkt haben
Wir müssen dringend die Euro in Rubel wechseln
Kurz vor Wladikawkas geht das GPS nicht mehr – haben die tatsächlich Störsender über der Stadt
Nichts geht zum Navigieren
Wir fahren blind in die Stadt und halten irgendwo
Wir fragen ein junges Mädchen nach einer Bank, aber anscheinend gibt es weit und breit keine
Die e-sim von Louis wird erst nach 24 Stunden freigeschalten, also morgen früh
So stehen wir da, ohne GPS, ohne WLAN, ohne Geld und ohne Plan…
Dann fragen wir zwei junge Kerle, die wahrscheinlich gerade auf die Gass gehen wollten – gestylt und parfümiert
Sie helfen uns und laufen mit uns zur Bank
Doch auch sie merken, dass samstags keine Bank offen hat, und sie hat tatsächlich zu
Dann recherchiert der junge Russe nach einer Wechselstube und übersetzt uns den Weg dorthin
Louis fotografiert die Wegbeschreibung ab und meint „das finden wir nie“
Louis fragt einfach mal ganz höflich, ob sie uns den Weg zeigen würden
Der eine Russe schaut den anderen Russen an, sie nicken sich zu, und wir laufen zu viert
Wir laufen bestimmt 40 Minuten zur Wechselstube, und die hat tatsächlich auf
Die jungen Russen verabschieden sich, und wir bedanken uns herzlich – was für eine Aktion von den beiden!!!
Ich wollte gleich mal 2000 € tauschen, Louis aber nicht und er meinte, wir müssen überlegen, wie und ob es hier überhaupt weitergeht
Wir tauschen die Hälfte in Rubel um und suchen uns ein Restaurant zum Essen
Jetzt haben wir wenigstens Geld und können essen und uns auch eine Übernachtung suchen
Unsere EC-, oder Kreditkarten oder sonstiges funktionieren hier nicht
Im Restaurant haben wir wifi und Louis probiert seinen VPN aus – er funktioniert leider nicht
Der VPN war eine große Hoffnung für uns
Wir essen russische Spezialitäten
Als ich vom Klo komme, strahlt Louis über das ganze Gesicht – VPN funktioniert!!!
Wir googeln nach einem Hotel, was auch klappt – nur leider finden wir ohne GPS den Weg dorthin nicht
Wir gehen zu unseren Motorrädern und fahren los, blind durch die Stadt, auf der Suche nach einem Hotel
An einem Supermarkt halten wir an, zwei besoffene Russen wollen uns den Weg zu einem Hotel zeigen
„Nur geradeaus und dann links“
Wir fahren genau da lang und finden natürlich nichts
An einer Ampel kurbelt ein anderer Russe neben Louis sein Fenster runter und will auch helfen, leider kann er weder Englisch noch Deutsch
So irren wir weiter durch die Stadt und halten an einem Restaurant an, welches auch noch wie ein Hotel aussieht
Wir fragen nach, leider ist es aber nur ein Restaurant
Die Chefin ruft dann zwei Hotels an, ob noch Zimmer für uns frei sind
Vergeblich… Dann hat sie aber eine andere Idee mit einem Hotel und sagt, wir sollen hinter ihr her fahren
Sie fährt los, und wir mit unseren Motorrädern hinterher, direkt zu einem Hotel
Wahnsinn, diese Hilfsbereitschaft!
Wir bedanken uns herzlich und checken ein, sie fährt wieder zurück
Wir haben ein riesengroßes Zimmer mit eigenem Bad
Wir duschen und dann setzen wir uns an den Rechner und diskutieren, wie es nun weitergehen soll
Die Spritknappheit in Russland bringt uns sehr zum Nachdenken
Dann müssen wir morgen das GPS testen – wo geht es, wo geht es nicht?
Sollen wir nach Kasachstan rein, dort gibt es keine Benzinknappheit
Das wäre aber wieder so ein Grenztag – davon hab ich eigentlich genug!
Und da wir nur eine Ein- und eine Ausreise für Russland gebucht haben, würden wir in Kasachstan feststecken – oder wir brauchen ein E-Visum
Fragen über Fragen…
…
Wir beschließen morgen nach Tschetschenien zu fahren – Tankstellen hat es einige auf diesem Wege, ob sie Benzin haben, werden wir sehen