heute Nacht habe ich noch Fotos von der beleuchteten Kirche und dem gegenüberliegenden Hotel gemacht, sieht voll schön aus
Um 8:00 Uhr stehen wir auf und gehen zum Buffet
Es gibt teilweise sogar andere Sachen wie gestern – sehr lobenswert
Anschließend packen wir unsere Maschinen und checken aus
Wir wollen 40 Minuten von Stalingrad entfernt noch den deutschen Soldatenfriedhof anschauen
Danach geht es weiter nach Borissoglebsk, dort habe ich gestern das Hotel gebucht
Heute ist es bewölkt und nur 20° draußen – optimal zum Motorrad fahren
Gegen 10:30 Uhr kommen wir los und auch gut aus Stalingrad raus
Nach 40 km fahren wir an einem russischen Soldatenfriedhof vorbei, 3 km weiter soll der deutsche Soldatenfriedhof kommen
Wir biegen von der Hauptstraße rechts ab und fahren 300 m einen Schotterweg entlang
Am Ende vom Schotterweg steht ein Schäfer mit seinen Schafen und schaut komisch
Hier gibt es keinen Friedhof
Wir fahren wieder zurück und schauen uns den russischen Soldatenfriedhof an
So viele Gräber…
Wahnsinn, wie viele da einfach mitmachen und ihr Leben riskieren, während die, die Krieg wollen, einfach nur am Schreibtisch sitzen und planen und überhaupt nichts riskieren
Wäre doch richtig schön, wenn Krieg wäre, und keiner geht hin
…
Das erste Mal seit langem sind wir nicht nass geworden, von innen
Nach dem Besuch des Friedhofs fahren wir weiter
Ca. 30 km hinter Wolgograd kommt hupend ein Auto hinter uns her und winkt uns freundlich raus
Es ist keine Polizei
Wir halten am Straßenrand und unterhalten uns mit Ivan über Google Übersetzer, so gut es geht
Er freut sich so sehr Deutsche zu sehen
Er zeigt uns Bilder vom Angeln und will uns wahrscheinlich zum Angeln einladen
Wir lehnen dankend ab, da wir ein Hotel in Borissoglebsk gebucht haben und weiter wollen
Dann macht er uns verständlich, dass wir hier 10 Minuten warten sollen, er würde uns Fisch holen
Zumindest haben wir das so interpretiert
Wir warten und sind gespannt
Keine Minute später hält ein russischer Motorradfahrer und fragt in gebrochenem Englisch, ob wir Probleme haben und ob wir Hilfe brauchen
Er ist auch nicht von der Polizei
„Nein, alles perfekt, wir warten nur auf einen von deinen Kameraden“
„Woher kommt ihr?“… fragt Bogdan.
„Deutschland“
„Was, Deutschland!?!“
Er meint dann nur lachend „Heil Hitler“ und klopft mir auf die Schulter
Dann kommt aber noch ein tolles Gespräch zu Stande, mit einem, der einigermaßen Englisch konnte
Anschließend fährt er weiter, und wir warten weiter auf Ivan
Keine 5 Minuten später kommt Ivan auf der anderen Seite an, rennt über die vierspurige Straße, macht einen Hürdensprung über die Leitplanke und schenkt uns eine Tüte
„Delikatesse“, sagt er
Wir unterhalten uns noch ein bisschen und machen Fotos
Das letzte, was er uns übersetzt, ist „Frieden für alle“
dann trennen sich unsere Wege
…
Wir fahren weiter und suchen nach Tankstellen
Die drei nächsten Tankstellen haben keinen Sprit
Langsam werden wir nachdenklich
Als die Reserveanzeige von Louis leuchtet, sehen wir eine Tankstelle auf der linken Seite
Es gibt Benzin, 95 Oktan, wir tanken voll
Da es auch hier immer wieder Polizeikontrollen gibt, nehme ich mein Geld in die Jackentasche
Das Korruptionsgeld kommt in die linke Hosentasche
Die Landschaft wird schöner, grüner und immer wieder kommen große Felder mit Sonnenblumen
Straßentechnisch sieht es leider anders aus
wie auf dem Weg nach Wolgograd so geht es auch hier auf dem Weg nach Moskau fast nur geradeaus
Wir vertreiben uns die Zeit während dem Fahren mit Schnick-Schnack-Schnuck
Nach circa 1 Stunde Fahrt wird Louis müde, kurz darauf kommt wieder eine Tankstelle
Ich will einen Cappuccino
man muss aber am Automaten ein Ticket ziehen, aber alles auf Russisch
Ich hol meinen Google Übersetzer raus und zeige es einem Mädchen hinter mir
Sie hilft mir, füttert den Automaten mit ihrer Geldkarte, und ich gebe es ihr in bar
Leider kommt die Zahl, die auf meinem Zettel steht, nicht auf dem Bildschirm
Nach 15 Minuten frage ich mal freundlich nach
Die Frau hinter der Theke schaut auf den Bildschirm, schaut meinen Zettel an, bruddelt irgendwas und lässt mir einen Cappuccino raus
Also, geht doch…
Dann kommt das Mädchen, welches mir mit dem Cappuccino geholfen hat, zu uns an den Tisch, sie heißt Alina
Sie spricht Englisch und fragt uns, wo wir herkommen und wo wir hinfahren
Sie fährt jetzt mit ihren Eltern zurück nach Wolgograd, sie studiert dort Medizin
Es entwickelt sich ein nettes Gespräch
Zum Schluss fragt sie, ob sie Bilder machen darf
Klar, natürlich, ihr Freund macht Bilder von uns dreien
Dann fahren wir weiter
Nach 150 km tanken wir wieder und sitzen dann sofort wieder auf
Die letzten 90 Minuten fahren wir durch
Die Landschaft ist schön, rechts und links sind viele Bäume, wir kommen uns vor wie in Finnland
Um 18:00 Hotel kommen wir am Hotel an, Google Maps führt uns direkt vor die Haustüre.
Wir checken ein und gehen in ein schönes, großes Zimmer
Wir buchen gleich Abendessen und Frühstück dazu
Im Zimmer schauen wir uns den Fisch von Ivan an
Es sind vier Fische in der Tüte
Weiß jemand, wie der Fisch heißt? @Sven…?
Wir dachten, der Fisch ist schon geräuchert und gleich verzehrbar
Aber er ist roh
Puh… leider können wir nichts damit anfangen, Ivan
Wir überlegen, was wir mit dem Fisch machen sollen, wegwerfen wäre zu schade
Dann dachte ich an die nette Rezeptionistin…
Die frag ich einfach mal
Ich gehe mit den Fischen nach unten, erkläre ihr, dass wir das von einem freundlichen Russen geschenkt bekommen haben und nichts damit anfangen können – sie könnte die Fische haben
Ohne zu zögern nimmt sie die Fische und bedankt sich herzlich
Sehr schön, freut mich, dass sie noch Verwendung finden
Tut mir leid, Ivan, aber trotzdem noch mal herzlichen Dank
Wir duschen und gehen dann einen Stock tiefer ins Restaurant
Dort sieht es aus wie in einer Kantine
Die Küchenchefin kommt raus und erklärt uns auf Russisch, was es gibt
Wir zucken mit den Schultern und fragen, ob sie Englisch kann
Aber selbst das hat sie nicht verstanden
Sie lächelt müde, geht wieder in die Küche, kommt aber sofort wieder zurück
Sie lächelt wieder, versucht es noch mal auf Russisch, merkt, dass wir nichts kapieren, und lächelt wieder
…
Da ist er wieder, der Berg mit dem Ochs…
…
Ein Russe steht auf, will helfen, und spricht uns in gebrochenem Deutsch an
Perfekt… Er übersetzt
Kartoffelbrei oder Bratkartoffeln, mit Fisch oder Hühnchen
Wir bestellen, die Küchenchefin ist zufrieden, wir bedanken uns bei dem Russen und setzen uns hin
Das Essen ist nichts besonderes
Die Rezeptionistin kommt in die Kantine und bedankt sich noch mal für den Fisch, er ist sehr lecker
Danach machen wir noch einen kurzen Spaziergang durch den Park in der Stadt
Im Hotel wieder angekommen setzt sich jeder an seinen Rechner
…
Ich suche wieder ein Hotel kurz vor Moskau, so dass wir morgen nicht mit den Motorrädern suchen müssen
Es gibt einige, aber es ist ziemlich zäh was zu finden
Entweder ist alles auf Russisch, oder es ist keine Mailadresse angegeben, oder die Homepage existiert nicht mehr
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