Es ist zum Glück nicht weit bis Sapoljarny, ca. 2 Stunden
Louis arbeitet an Instagram oder YouTube
Ich liege noch gemütlich im Bett, trinke jetzt meinen zweiten Kaffee
11:30… jetzt sollten wir uns langsam fertig machen, um 12:00 ist Check-out
Es regnet weiterhin
Das ist eins der großen Übel als Motorradfahrer, im Regen die Maschine beladen
Wir beladen im Regen
Mein Topcase ist montiert
Als ich es öffne, stinkt es gewaltig
Da fällt mir ein, mir ist vor drei Tagen Milch ausgelaufen
Ich hab es dann mit Toilettenpapier ausgelegt und wollte es abends putzen
Naja, hat wohl nicht ganz geklappt – aber der Wille war da
Puh… jetzt stinkt es nach vergorener Muttermilch
…
Ich mach den Deckel wieder zu – putz ich dann heute Abend
Ich gehe zurück auf‘s Zimmer und will auf‘s Klo
Hat Louis doch das ganze Klopapier genommen, um seine Koffer zu putzen
Oh man… dann muss ich wohl die Hand nehmen – um MEINE Koffer zu putzen
…
Wir packen den Rest
Ich versuche ein neues Packsystem
Um meine Seitenkoffer gewichtsmäßig zu entlasten, lade ich das Zelt, Isomatte und meinen Campingstuhl hinter mich
Und dann kommt halt noch meine Tasche drauf
Den Seitenkoffern tut es sicherlich gut, nur ich hab jetzt deutlich weniger Platz
Das Gute ist, ich bin nicht gebaut wie Reiner Calmund
Und es sind auch nur zwei Stunden Fahrt – wir werden sehen
Wir checken aus und starten gegen 12:45 im Regen
Kurz bevor wir aus Murmansk draußen sind, fällt das GPS aus
Aber eigentlich müssten wir auf der richtigen Straße sein
Viele Kilometer weiter kommt ein Schild mit „Kirkenes 153 km“ – wir sind richtig
Das Wetter wird besser, es hört auf zu regnen und klart auf
Die Sonne kommt ein bisschen raus und die Straßen werden trockener
Das GPS lässt sich wieder blicken und funktioniert
Herrliche Landschaft, wieder mehr Kurven
Immer wieder kommen Gedenksteine zu Ehren der Opfer des Zweiten Weltkrieges
Wir machen eine kurze Pause, essen Äpfel und denken an die Kolabohrung
Dann geht’s weiter und zwei Kilometer später kommen Schranken – wir müssen halten und absteigen, Militär
Unsere Reisepässe werden kontrolliert und uns Fragen gestellt
Wir sollen die Motorräder parken und zur Hütte ans Fenster kommen
„Wohin wir wollen, welche Route wir genommen haben, was unser Ziel ist“
Dann dauert es
Immer wieder macht der Grenzer das Fenster auf, fragt was über Google Übersetzer, und macht es dann wieder zu
Beim letzten Öffnen meinte er, es muss was überprüft werden
Ein russischer Motorradfahrer kommt hinzu – er hat meine Homepage aufgemacht, Louis‘ Instagram und YouTube abfotografiert
Wir reden kurz, machen Bilder zusammen und er fährt weiter – er darf als Russe ungefährdet durch
…
15:00… der Grenzer übersetzt uns über Google, dass wir bis 17:00 über die Grenze nach Norwegen sein müssen – denn dann macht sie zu
Wir dürfen nirgends mehr anhalten, nichts fotografieren, nur auf dieser Straße bleiben und rüber nach Norwegen
Auf die Frage hin „warum“ kommt die Antwort: „dies ist militärisches Sperrgebiet und erlaubt keinen Aufenthalt“
Ich übersetze ihm, dass wir noch zwei Nächte in Sapoljarny gebucht haben
Er stutzt und läuft zu seinem Vorgesetzten
Nach ein paar Minuten kommt er wieder und übersetzt uns „wir sollen das Hotel stornieren und direkt zur Grenze fahren“
„Oder nach Murmansk zurück“ – wir sollen uns entscheiden und ihm bescheid geben
…
Wir überlegen…
Wir diskutieren die Möglichkeiten durch
…
Wir schauen auf Google Maps, wie lange es zur Grenze dauert – 1:10
es ist jetzt 15:30 – wir schaffen es gut bis zur Grenze
Wir geben dem Grenzer Bescheid und machen uns auf den Weg
Er gibt uns Rückmeldung, dass er an der Grenze bescheid gibt
…
Oh, ok…
Die Schranke geht auf und wir fahren durch
Wir diskutieren erneut, diesmal während dem Fahren
Heute schon nach Norwegen, zwei Tage früher – die Kolabohrung und Nikel fallen dann aus
Oh man, die Kolabohrung wollte ich seit Jahren schon sehen – auch wenn dort nur Ruinen stehen
Aber ist halt ein historisches Gebiet – noch nirgends auf der Welt ist 12.262 Meter in die Tiefe gebohrt worden
Wir beide finden es sehr schade Russland jetzt schon verlassen zu müssen
Aber trotzdem haben wir beide ähnliche Gedanken
…
Wir drosseln die Geschwindigkeit von erlaubten 90 km/h auf 80 km/h – wir wollen ja nicht geblitzt werden
Wir fahren so einige Kilometer und merken über das Navi, dass die Grenze gegen 16:45 erreicht wird – reicht also noch
Wir müssen anhalten – Pinkelpause wegen Louis
Danach springt mysteriöserweise Louis sein Motorrad nicht mehr an
Wir schauen überall nach, an was es liegen könnte – die Reifen sind in Ordnung
An der Kette kann es auch nicht liegen, denn er hat Kardan
Das Gepäck ist auch fest verzurrt
Dann merken wir, der Notaus ist drin – wir machen den raus und schwups, der Motor startet
Wir fahren weiter, an Sapoljarny vorbei, das Navi zeigt 16:59 Ankunftszeit an der Grenze – jetzt wird es eng
Und bei mir wird’s auch eng – ich brauch dringend eine Pinkelpause
Wir müssen wieder anhalten – ich laufe weit ins Gebüsch rein, mich soll ja keiner sehen
Anschließend fahren wir weiter, das Navi zeigt 17:05 an – scheiße, das ist zu spät
Wir sollten schneller fahren – wegen den Blitzern trauen wir uns aber nicht
Dann merke ich, mit meinem Gepäck könnte was nicht stimmen
Wir müssen anhalten, ich muss das überprüfen
Ich schaue nach und zurre an jedem Gurt – alle sind fest
Mein Gefühl hat mich wohl betrogen
Weiter geht’s – das Navi zeigt Ankunftszeit an der Grenze 17:10
Wir fahren weiter mit 80 km/h, ohne die Geschwindigkeitsüberschreitung zu riskieren
20 km vor der Grenze zeigt das Navi 17:15 an – oh man, das schaffen wir nicht
Hinter der nächsten Kurve kommt wieder eine Schranke mit Militär
Wir halten an – 3 Menschen in Militäruniform sitzen da, ansonsten ist nichts los
Einer trottet auf uns zu, er kann natürlich nur russisch
Er teilt uns mit dass die Grenze zu ist und wir nicht weiterkommen – er zeigt wieder zurück, wo wir herkamen
Ich frage dann noch „nach Sapoljarny zurück?“
Er nickt mit dem Kopf und wiederholt die Stadt nochmal auf Russisch
Ok, wenn dieser vom Militär sagt, die Grenze sei zu und wir sollen nach Sapoljarny, dann machen wir das
Der Wille nach Norwegen zu fahren war da – aber die lassen uns ja nicht
Wir drehen um und fahren in unser gebuchtes Hotel Pechenga nach Sapoljarny
…warum so kompliziert, warum nicht gleich so?
Und wenn wir schon mal hier sind, dann können wir doch die Zeit nutzen und uns die Kolabohrung und Nikel anschauen
Am Hotel angekommen checken wir ein – wir erzählen der Dame an der Rezeption die ganze traurige Geschichte, dass wir es nicht bis Norwegen geschafft haben, und dass wir nur eine Nacht hierbleiben können
Sie versteht unser Problem mit dem Militär und meint „dann fahrt ihr morgen am besten schnell über die Grenze“
…
Bis auf mein Topcase bauen wir alles ab und fahren los
Zum Glück funktioniert das GPS einwandfrei
Wir fahren los und sind noch nicht mal aus Sapoljarny draußen, kommt wieder eine Schranke
Ein Mann in Warnweste steht da und hat schon ein Auto angehalten
Er kommt auf uns zu und fragt irgendwas – ich zeige ihm, dass wir dort lang wollen
Er schüttelt den Kopf
Der Mann aus dem Auto kommt auch dazu, zeigt auf den Boden und bruddelt irgendwas mit „Kola“
Aha, der weiß genau wohin wir wollen
Ich nicke ihm zu und zeige den Weg durch die Schranke
Auch er schüttelt den Kopf, zeigt uns einen anderen Weg und meint noch „Nikel“
Ich erinnere mich, auf dem Rückweg nach Sapoljarny ging die Straße nach Nikel ab – er meint sicherlich diesen Weg
Ich gebe ihm zu verstehen, dass ich es kapiert habe und bedanke mich
Wir drehen um und fahren durch die Stadt auf die Hauptstraße und biegen dann Richtung Nikel ab
Das Navi hat sich umgestellt und zeigt uns jetzt einen anderen Weg
14 km vor dem Ziel geht es von der geteerten Hauptstraße links in einen Schotterweg nach oben
Von meinem Onkel hatte ich noch 4 km in Erinnerung, aber ok…
Wir beraten kurz, aber uns war beiden klar, wenn wir es bis hier hin geschafft haben und nicht in Norwegen sind, dann müssen wir 14 km Offroad hin und 14 km Offroad wieder zurück fahren
Die Maschinen biegen ab, den Schotterweg nach oben
Es geht gut zu fahren, die Steine sind größtenteils festgefahren
Ab und zu hat es Schlaglöcher drin, oder auch mal größere Steine
Aber dann rumpelt man drüber oder weicht aus
Nun fängt es auch noch an zu regnen – muss das sein!!!
Die Straße ist breit und 10 km auch für Ungeübte ganz gut zu fahren
Dann geht es rechts ab, die letzten 4 km – ach, hat der Onkel diese 4 km gemeint!?!
Hier wird es enger, steiniger, gröber, manchmal kommt ein bißchen Sand hinzu, aber trotzdem noch ganz gut zu fahren – trotz Regen, auch wenn der nervt
Nach 3,5 km kommen wir über eine Kuppe und sehen die Ruine – von weitem sehen wir auch ein Auto dort parken
Hoffentlich kein Grenzer oder Polizei oder…
Wir parken unsere Motorräder im Regen
Warten, bis der Regen vorüber ist, bringt nichts – die dunkle Wolke ist zu groß
Wir laufen rum und schauen in die Gebäude – rein gehen wir nicht, ist alles Bruchbude, evtl. zu gefährlich
Wir kommen an das Auto, niemand da – außer ein Grill im Gebäude, der noch Funken schlägt
Die Kollegen haben wohl gegrillt – tief im Innern vom Gebäude hört man manchmal lautes Schlagen
Wir laufen weiter und wollen die Bohrung suchen
Dann entdecken wir die Kolabohrung – Deckel drauf und verschraubt mit 12 Muttern
Wahnsinn… und unter dem Deckel geht es über 12 Kilometer in die Tiefe
Wir wollen das sehen und überprüfen, ob das stimmt
Die 12 Muttern haben nicht alle die gleiche Schlüsselweite
Wenn die Russen denken, sie sind clever und machen verschiedene Muttern drauf – ich hab meinen Engländer dabei, damit krieg ich jede Schlüsselweite auf
Ich mach mich an die Arbeit und schraube die Muttern eine nach der anderen ab
Zum Schluss lupfe ich den Deckel, hole einen Stein und werfe ihn ins Loch
Wir stoppen die Zeit…
151 Sekunden benötigt ein Stein aus einer Höhe von 12.262 Meter, bis er auftritt
Das Echo hat eine Geschwindigkeit von 343,2 Metern pro Sekunde
Wenn ich das im Kopf überschlage, müssten wir nach 187 Sekunden das Echo des Aufpralls hören
Nach exakt 183 Sekunden hören wir den Aufprall
Wir folgern daraus, dass die Russen gelogen und gar nicht so tief gebohrt haben
…
Ich mach den Deckel drauf, schraube alle 12 Muttern wieder fest und wir schauen uns weiter um
Wirklich schade, alles dem Verfall ausgesetzt
Hier hätte man evtl. auch ein Museum bauen können und Leute anlocken
Man kann nicht überall das tiefste Loch der Erde bewundern, was Menschen je gebaut haben
Nach dem wir alles angeschaut haben, die Tiefe der Bohrung anhand des freien Falls überprüft haben, machen wir uns durchnässt auf den Rückweg
Und es regnet immer noch
14 km wieder Offroad, aber ist ja nicht allzu schwierig
Es hat 6°, wir sind durchnässt und frieren – nach ca. 8 km hört es endlich auf zu regnen
Aufgrund der Konzentration und des Fahrens auf Schotter haben wir gar keine Zeit zu frieren
Wir meistern das letzte Stück Schotterpiste und biegen auf der Hauptstraße Richtung Nikel ab
Nikel ist nur 7 km von der norwegischen Grenze entfernt
In der Mine in Nikel wurde vor allem Erz abgebaut und anschließend zu einem Nickel-Kupfer-Konzentrat verarbeitet
In der Hütte in Nikel wurde dieses Konzentrat anschließend geschmolzen
Durch das Schmelzen entstand Schwefeldioxid, welches die Umwelt in und um Nikel herum sehr schädigte
Wenn der Wind in die falsche Richtung einschlug, traf es die Norweger auf der anderen Seite der Grenze – das gab schlechte Kritiken
Aufgrund dieser Umweltverschmutzung wurde das Nikelwerk Ende 2020 stillgelegt
Wir biegen ab in die Stadt Nikel, machen eine kleine Stadtrundfahrt, um am Ende von Nikel über eine 4 km Schottertour wieder zur Hauptstraße zu gelangen
Im Eiltempo fahren wir zurück nach Sapoljarny, tanken am Ortseingang und parken vor unserem Hotel
Noch ist kein Militär und auch keine Polizei da, wir gehen beruhigt auf unser Zimmer
Dann duschen und ins Hotelrestaurant
Beim Essen sprechen wir nochmal über das Missgeschick es nicht bis zur Grenze geschafft zu haben
Wir überlegen, ob wir nicht die zwei gebuchten Nächte hier in Sapoljarny doch wahrnehmen und die morgen geplante Offroadtour auf einer der Halbinseln machen
Unser Entschluss steht aber fest, dass wir das „Glück“ nicht weiter strapazieren sollten und morgen tatsächlich die Grenze nach Norwegen überqueren
…
Nach dem Essen ziehe ich noch die Bilder eines ereignisreichen und spannenden Tages
Kommentare
Ein Kommentar zu „11.08.2026“
heiko
OK, jetzt hab ich doch eine Frage:
habt ihr wirklich den Deckel abgeschraubt und einen Stein rein geschmissen?
Und die Zeiten und Entfernung inkl. Schall-Dauer habt ihr sicher im Kopf und nicht mit ChatGPT berechnet? 😉
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