um 6:30 Uhr mache ich meinen Kaffee und setze mich an den Laptop
Wir müssen ein bisschen umplanen
Da ich hier in Murmansk auf jeden Fall den nuklearbetriebenen Eisbrecher „Lenin“ sehen will, müssen wir das heute vorziehen
Montag und Dienstag hat er geschlossen
Jetzt müssen wir noch unsere Maschinen ausziehen
Den Eisbrecher wollen wir als erstes anschauen und danach auf Tour gehen
Wir haben das Gefühl, je nördlicher wir fahren, desto unfreundlicher und reservierter werden die Russen
Aber vielleicht ist es auch nur ihr Gesichtsausdruck
Ich nehme meine Koffer vom Motorrad und trage sie um das Hotel herum in unser Zimmer rein – diese sind sehr schwer
Als ich kurz vor der Hoteltüre stehe, rennt der grimmigste Hotelrusse zur Türe und hält sie mir auf
Oh, wie nett…
Ich bedanke mich auf Russisch
Ok… ist vielleicht doch nur der Gesichtsausdruck
Beim nächsten Koffer das gleiche, er hält mir wieder die Türe auf
Trotz Gesicht, sehr nett
Wir fahren los, es ist ungewohnt, die Motorräder sind jetzt höher, und leichter
Wir machen eine kleine Stadtrundfahrt durch Murmansk und 4 km später sind wir am Hafen
Wir wissen nicht, wo wir Eintrittskarten kaufen können und laufen mal mit der Menge auf die Lenin
Auf dem Schiff erfahren wir, dass wir die Karten online hätten kaufen sollen, denn diese Führung ist ausverkauft
War ja klar… – aber online können wir halt ohne Kreditkarten nichts bezahlen, wie oft denn noch!
Die freundliche Russin, sie hat mal Deutsch studiert, fragt ihren Chef
Der Kollege hat ein Einsehen, verkauft uns zwei Eintrittskarten und wir dürfen die russische Führung mitmachen
Das freut uns sehr
Zum Glück ist die Führung nicht auf Chinesisch, sonst würden wir gar nichts verstehen
Das Schiff ist mit zwei Atomreaktoren angetrieben
Der Führer konnte sogar ein wenig Englisch, und wir ihm dann ein paar Fragen stellen
Es hatte sogar eine Krankenstation an Bord
Ein Mädchen spricht mich an, ob ich Deutscher bin
Sie hat drei Jahre Deutsch gelernt, jetzt aber nur noch Englisch
Kurzer Plausch – war nett
Wir schwitzen – auf dem Schiff ist es warm
Gott sei Dank haben wir Thermoklamotten angezogen
Wir dachten, auf dem Eisbrecher ist es eiskalt
…
Insgesamt war die Führung echt klasse, wir haben viel gesehen und Eindrücke bekommen, wie die früher auf dem Schiff gehaust haben
Vor dem Hafen ist ein Fischimbiss
Die Speisekarte sogar auf Englisch
Ich bestelle zwei Fischteile auf Englisch, aber der Verkäufer versteht gar nichts – aber Hauptsache die Speisekarte ist auf Englisch
Hinter mir steht ein Russe, der in der Schweiz studiert hat, er bestellt für uns
Gerade unsere beiden Fischteile sind ausverkauft
Der Russe empfiehlt uns Fischzunge, wegen dem ist er auch hier
Er bestellt für uns, und es ist wirklich sehr lecker
…
Wir fahren wieder durch Murmansk und müssen ca. 110 km zu unserem ersten Ziel
Das GPS fällt aus und wir irren erst mal in der Stadt umher
Dann geht es plötzlich wieder und wir müssen umdrehen
In Kola biegen wir ab Richtung Kola-Halbinsel
Die Straßen sind gut geteert, allerdings nicht immer eben
Wir passen uns der Geschwindigkeit von einigen Autos an – 120/130 km/h
Es wird hügelig, und es gibt auch Kurven, es macht Spaß zu fahren
So heizen wir auf die Kola-Halbinsel Richtung Teriberka
Manchmal fängt es ein bisschen an zu nieseln, dann ist es wieder trocken
Aber immer so um die 15° und ein eiskalter Wind
Aber dank Thermoklamotten und Griffheizung sehr gemütlich
Die Gegend des traumhaft schön
Nach gut einer Stunde kommen wir in Teriberka auf dem Schiffsfriedhof an
Sehr interessant
20 Minuten später steigen wir auf und fahren weiter Richtung Wasserfall
Der letzte Kilometer geht über Schotter und Steine
Wir parken und essen eine Kleinigkeit
Dann laufen wir am Kassenhäuschen rechts vorbei, einigen anderen hinterher
Ich glaube, das ist der schwäbische Weg, da kostet es nichts
Die anderen stehen links an der Kasse an
Wir laufen an einer verrotteten Hütte vorbei und im Hintergrund steht ein Dampfer auf der Barentssee
Völlig erstaunt finden wir plötzlich zwischen Steinen eine Franziskaner Bierbüchse – dann muss es wohl schon vor uns Deutsche hier auf der Kola-Halbinsel gegeben haben
Die Steine an diesem Strand sehen aus wie Dinosauriereier
Der Wasserfall wäre noch über einen Kilometer weg, das wollen wir uns nicht antun
Wir laufen zu unseren Schnabeltieren zurück und fahren zum letzten Programmpunkt
11 km, die letzten 8 km Offroad
Festgefahrener Schotter, dicke Steine und Schlaglöcher ohne Ende
Maximal 30 km/h, mehr geht nicht – und selbst da tut es Schläge
Ist nicht schön zu fahren
Wenn die Schlaglöcher nicht wären, könnte man wenigstens schnell drüber heizen
Aber es macht nicht viel Spaß
Nach guten 5 km kommt ein Aussichtspunkt – wir beschließen, nicht weiter zu fahren
Wir machen Bilder, drehen um und dann geht’s die Schlaglochpiste wieder zurück
Endlich wieder festen Boden unter den Reifen nehmen wir unsere Rückfahrt nach Murmansk auf
Ich weiß noch von der Hinfahrt, dass mitten im nirgendwo ein modernes Café hin gebaut war
Da wollen wir Pause machen und einen Kaffee trinken
Die Rückfahrt macht wieder Spaß
Wahnsinnig schöne Landschaft, grün, und manchmal kann man kilometerweit sehen
Nach einer Stunde kommt das Café, wir fahren raus
Heute Morgen war hier noch einiges los, jetzt nicht mehr
Dann das Schild, offen von 9:00 Uhr bis 17:00 Uhr
Ich schau auf die Uhr… 17:30 Uhr
…
Oh man, ich hatte mich so auf einen Kaffee gefreut
…
Dann fahren wir halt nach Murmansk in unser Hotel
Wir fahren die letzte 40 Minuten wieder ziemlich schnell
Ab und zu kommen Autos, die werden überholt
Kurz vor Murmansk fällt das GPS erneut aus
Wir kommen wieder auf die große Umgehungsstraße von Murmansk, da bin ich gestern auch lang gefahren
Ich bin mir sicher, ich finde den Weg auch ohne Navi
Wir nehmen die richtige Abzweigung von der Umgehungsstraße in die Stadt und tanken erst mal
Das erste Mal seit langem, dass man tanken kann und danach erst bezahlen muss
Wir tanken beide voll, bezahlen und machen uns auf den restlichen Weg zum Hotel
Das GPS funktioniert wieder
Wir finden problemlos zum Hotel
Es fängt an zu nieseln, aber wir schaffen es noch nach Hause, ohne durchnässt zu sein
Wir ruhen uns aus, bevor wir essen gehen
Ich mache mir meinen wohlverdienten Kaffee
Nachdem Louis ausgeschlafen hat, gehen wir wieder ins gleiche Restaurant von gestern
Die gleiche Bedienung von gestern empfängt uns und erkennt uns im zweiten Anlauf wieder
Nach der Bestellung kommt sie noch mal an den Tisch und fragt ein bisschen geniert, ob wir aus Deutschland kommen
Sie hätte es an unserem Akzent erkannt
Dann hat sie sich sehr gefreut
Das Essen ist wieder sehr lecker
Louis hat Schweinefleisch mit Kartoffeln und ich verschiedenen Fisch mit Kartoffeln
Wir bezahlen und verabschieden uns dann von ihr – denn morgen Abend ist sie nicht mehr hier
Wir gehen noch in den Supermarkt und kaufen ein
Anschließend laufen wir zum Hotel zurück und arbeiten am Rechner
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