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01.08.2026
- seit 8:00 Uhr genieße ich den Hauskaffee
- Ich checke unsere Route nach Sankt Petersburg ab
- Wir wollen Sankt Petersburg morgen Abend oder spätestens am Montag erreichen
- Louis schläft noch bis 9:30
- Westlich von Moskau ist noch ein großer deutscher Soldatenfriedhof, den wollen wir noch anfahren
- Das Gegenstück davon, der russische Soldatenfriedhof, liegt in Gütersloh
- Gegen 11:00 Uhr packen wir die Schnabeltiere
- Ich bin gespannt, wie das GPS uns durch Moskau bringt – aktuell funktioniert es
- Meinen Ölwechselintervall habe ich um knapp 1000 km überschritten
- Auf dem Weg Richtung Sankt Petersburg hoffe ich, eine Werkstatt zu finden, die mir das Öl wechselt
- Ich hoffe, die lassen das Altöl nicht einfach in die Erde laufen – denn sonst könnte ich es auch selber machen
- Wir fahren los, durch die Stadt und auf die Stadtautobahn
- Es wird vierspurig, fünfspurig und dann noch sechsspurig, und doch immer wieder zäher Verkehr
- Das GPS fällt immer mal wieder aus
- Aber es ist rechtzeitig wieder da, wenn wir abbiegen müssen
- Eine BMW überholt uns
- An der nächsten Haltebucht steht er und wartet auf uns – wir halten an
- Dann das Übliche, sogar auf englisch… wer seid ihr, woher kommt ihr, wohin geht ihr – ich bin Atat
- Er meinte noch, wir können zwischen den Autos durchfahren, das ist legal
- Ich mache ihm klar, dass mein Hinterteil zu breit sei
- Atat akzeptiert
- Wir verabschieden uns
- Wir fahren eine zeitlang auf dem Beschleunigungsstreifen und fädeln dann ein
- Es ist wieder heiß, Sonne, 30°
- Während dem zähfließenden Verkehr fährt ein russisches Auto neben mir und ein Typ schreit aus dem Fenster „Woher kommst du?“
- ich war erst mal völlig durcheinander und konfus!
- und die dümmste Antwort, die man mitten in Russland geben kann…. „Wer, ich?“
- „Ja klar, du!“ … kam es zurück – Louis war circa 50 m vor mir, den hat er wohl nicht gemeint
- Dann schreit mir Louis ins Ohr „was ist los, Papa?“
- Parallel dazu fragt der Russe wieder was
- Ich hab dann gar nichts mehr verstanden
- Bis ich erst mal Louis klargemacht habe, dass ich nicht mit ihm rede, sondern mit einem Russen
- Dann fragt er mich noch mal auf Deutsch „woher kommst du?“
- Dann kommt alles zusammen…
- Schrittgeschwindigkeit fahren, auf den Vordermann achten, die Frage im Hirn richtig einordnen, dann noch von einem Russen…
- Ich muss mich sortieren
- Ich schreie ihm rüber „aus Stuttgart!“
- Das einzige, was ich noch verstanden habe, war, „kenne ich“
- Er hat mir noch erzählt, wo er gearbeitet hat, das habe ich aber nicht mehr mitbekommen
- Man konnte wieder schneller fahren
- Der Russe hupt noch fünf mal, winkt wie verrückt, und fährt dann davon
- Ein Russe, der fließend deutsch spricht – haben wir jetzt noch nicht so erlebt
- …
- Nach 39 km auf der zähen Stadtautobahn biegen wir rechts ab, es geht eine große Straße durch den Wald
- Es läuft besser
- In der nächsten Ortschaft sehen wir eine große Werkstatt – perfekt für einen Ölwechsel
- Wir halten und fragen nach
- Nein, das geht hier nicht, meint der nette Werkstattleiter
- Aber er schaut auf seinem Google und telefoniert
- Er hat was gefunden, bei Ivan, und zeigt uns den Weg, ist nicht weit weg
- Wir fahren noch circa 2 km und finden den Hof mit fünf Garagen und ein paar Hebebühnen
- Ich frage den Erstbesten der schraubt
- Er legt sein Werkzeug nieder und geht zum Chef
- Ivan kommt und ich frage ihn nach einem Ölwechsel – er nickt
- Er macht eine Garage auf, fährt zwei seiner Quads raus und bittet mich da rein zu fahren
- Wahnsinn, und das ohne Termin, ohne Auftrag und ohne Wartezeit
- Ich hole das Öl und den Ölfilter vom Motorrad und stelle es ihm hin
- Er macht den Unterbodenschutz weg, legt eine Ölwanne drunter und macht die Ablassschraube auf – das Altöl fließt
- Währen das Öl fließt zeigt er uns seine Werkstätten und dann sein Büro
- Seine Goldwing steht direkt vor dem Eingang
- Louis und Ivan tauschen Instagram aus
- Ein anderer Kunde kommt und spricht mit mir Englisch
- Alexy heißt er und war auch schon mal in Deutschland
- Er fragt, wer den Ölwechsel macht – ich zeige auf Ivan
- „Ah, der Direktor persönlich“
- Alle lachen
- Ivan holt mir einen Cappuccino aus seinem Automat – schmeckt nur nach Zucker
- Dann geht er wieder an die Arbeit – das Altöl ist draußen
- Jetzt tauscht er den Ölfilter, macht die Ablassschraube zu und füllt das Öl nach
- Fertig
- Den Ölwechsel gute 1000 km überschritten – aktueller Kilometerstand 99.991
- Das heißt, in 9 km müssen wir noch mal anhalten und Bilder machen
- Wir gehen zum Bezahlen in Ivans Büro
- 3500 Rubel will er, ca. 39 €
- Ich bin zufrieden
- Cappuccino war inklusive – wobei bei dem Geschmack ich Geld hätte zurückbekommen müssen
- Wir verabschieden uns und ich bedanke mich noch mal für alles Unkomplizierte
- Wir fahren raus aus dem Dorf und auf eine zweispurige Landstraße
- Noch 2 km und die 100.000 sind voll
- Ich stimme mich mit Louis ab, dass wir dann auf dem Standstreifen kurz halten müssen und ein Lied singen
- 99.999 km sind runter und kurz danach kommt ein Schild mit Parkplatz in 400 m
- Als hätte es genau so kommen müssen
- Ich fahre auf den Verzögerungsstreifen, und mein Tacho springt auf die 100.000 um
- Wir halten auf dem Parkplatz an, machen Bilder und singen ein Lied
- Am 20.7.2020 habe ich die Maschine neu zugelassen, sechs Jahre später mache ich die 100.000 km voll
- Wir fahren weiter auf der zweispurigen Landstraße
- 80 km vor dem Soldatenfriedhof tanken wir die BMW‘s noch mal voll
- Danach ziehen wir ohne Pause durch
- Wir fahren durch den Ort Rschew durch und finden auf Anhieb den Friedhof
- Es gibt einige Vitrinen mit Bildern von Piloten, die abgestürzt sind – dazu in Original und in deformierter Form die dazugehörigen Motoren
- Wir laufen über den Soldatenfriedhof, auf dem ca. 43.000 deutsche Soldaten begraben sind
- Es gibt 62 große Granitsteine, die mit über 15.000 Namen deutscher Soldaten vorne und hinten beschriftet sind
- Hier in Rschew hat der Krieg ebenfalls ganz schön gewütet
- Wir lassen die Eindrücke sacken und laufen dann langsam zu unseren Motorrädern
- …
- Wieder zurück in der Gegenwart suchen wir nach einem Hotel
- Wir finden eines hier in dem Ort und fahren los
- Vor dem Hotel angekommen… Geschlossen!
- Es ist 17:00 Uhr und noch genügend Zeit was zu suchen
- Wir laufen in den angrenzenden Supermarkt und fragen die Kassiererin
- Sie weiß ein Hotel in der Stadt und schreibt uns den Namen auf – eine Käuferin kriegt das mit und bietet ihre Hilfe an
- Wir laufen zusammen zu einer Kreuzung und sie zeigt uns dann den Weg
- Louis und ich gehen zurück zu unseren Motorrädern, ziehen uns an, steigen auf und fahren zum Hotel
- Das Hotel ist offen, Gott sei Dank
- Wir gehen rein und fragen die Frau über Google Übersetzer, ob sie ein Zimmer für uns hat
- „Ah“… macht sie und tippt auf ihrem Handy
- Ich sag zu Louis, sie hat zumindest nicht „nein“ gesagt
- Dann zeigt sie mir ihr Handy und es übersetzt, dass das Hotel voll ist
- Super Sache!!!
- Wir fragen nach einem anderen Hotel in der Stadt und ob sie dort anrufen könnte
- Sie ruft insgesamt drei Hotels an und erklärt uns dann, dass in dieser Stadt die Hotels keine Ausländer aufnimmt
- Aha…
- …
- Mach DAS mal in Deutschland…
- …
- Louis googelt und findet in einem Dorf eine halbe Stunde weiter ein Hotel
- Wir ziehen uns wieder an, steigen auf und fahren los
- Wir fahren viel durch Wald, und ich schaue nebenher nach einem geeigneten Plätzchen
- Ich sehe uns heute noch Wildcampen
- In dem Dorf finden wir auch gleich das Hotel
- Der Hotelchef meldet auf Englisch gleich, dass das Hotel voll ist
- Hier ist ein Festival, das ganze Dorf ist ausverkauft
- Aber…! Er bittet uns rein und will nach einem anderen Hotel für uns suchen
- Er telefoniert in der ganzen Gegend rum – 10 Hotels hätte er angerufen, sagt er, alle belegt
- Dann entschuldigt er sich und würde uns ein Angebot machen
- Er kann uns ein kleines Zimmer anbieten, nur ein Doppelbett drin und ein Fenster
- Er will es uns zeigen und dann sollen wir entscheiden
- Wir sehen es und empfinden es als perfekt, das nehmen wir – viel besser als jetzt weiter suchen zu müssen
- Einen Stock tiefer ist die Sauna, Dusche und WC
- Nebenan ist ein Restaurant, auch sehr voll
- Er geht mit uns rein, zeigt uns die Speisekarte und übersetzt alles
- Wir bestellen einfach zwei Pizzen, die wir sofort bezahlen
- Er sagt, wir sollen unsere Motorräder abstellen, uns umziehen, duschen und wenn die Pizzen fertig sind, bringt er sie uns
- Genau so haben wir es gemacht und nach dem Duschen kommen die Pizzen
- Ein Supertyp, der sich um seine Gäste mehr als kümmert – wir sind begeistert
- Louis googelt nach dem Festival – das ist jedes Jahr ein großes Spektakel hier in dem 9000 Einwohnerdorf
- Wir überlegen dort mal vorbei zu schauen
- Der Hotelchef zeigt uns den Weg – das Festival ist unten an der Wolga
- Louis und ich laufen los und kommen umsonst auf den Festivalplatz, da das meiste schon vorbei ist
- Es gibt eine große Bühne, auf der Bands gespielt haben
- Es kommen nur noch Abschiedslieder
- Danach laufen wir wieder heim und arbeiten am Rechner
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