um 8:00 Uhr stehen wir auf und essen ein paar Kleinigkeiten vom Supermarkt
Nachdem wir gestern zwischen 26° und 30° gefahren sind, sind es aktuell nur 16° und die Straßen sind nass
Aber es hat zumindest kein Schnee vor Moskau
Klim, mein Kamerad aus Moskau, will uns morgen treffen und uns ein paar Sehenswürdigkeiten zeigen – freut uns sehr, dass das klappt
Ich schreibe mir die genaue Route von Google Maps ab, und das auf Russisch, falls das GPS ausfällt
Was hoffentlich nicht passiert!!!
Louis bringt die erste Fuhre zu den Motorrädern runter
Unten stehen schon zwei Russinnen und schauen sich die Maschinen an
Sie sprechen auf Russisch, Louis auf Englisch, und niemand versteht was
Wir packen die restlichen Sachen und checken aus
Kurz vor 10:00 Uhr kommen wir los
Hoffentlich funktioniert das GPS bis zum Hotel!!!
Wir fahren wieder auf die einspurige Straße Richtung Moskau
Am Anfang war es sehr gut zu fahren, bis wir auf einen Konvoi mit LKW‘s auffuhren
Das Überholen war ziemlich zäh, zumal meistens Überholverbot war
Dann kam noch die Straße erschwerend dazu, es gab viele Schlaglöcher
Zu allem Übel setzte noch Nieselregen ein
Irgendwann wird die Straße dreispurig, zweispurig, und dann wieder dreispurig
Wir können schnell fahren und kommen zügig voran
Dann kommt plötzlich wie aus dem Nichts eine Mautstelle
Wir diskutieren noch die Bilder über den einzelnen Schranken und stellen uns dort an, wo ein Geldschein drauf war
Wir fahren vor die Schranke an den Automat und schauen diesen an
Für diese Mautstation ist kein Geldschein erforderlich, sondern eine Kreditkarte
Und unsere Kreditkarten funktionieren leider nicht
Wir müssen wieder zurück
Gott sei Dank war hinter uns niemand
So schieben wir die 20 Meter unsere Motorräder aus dieser Bahn zurück
Dann parken wir seitlich und schauen uns das alles noch mal genauer an
Ganz rechts sind zwei Linien mit Schildern, auf denen Geldscheine und Münzgeld drauf ist
Warum haben wir das vorher nicht gesehen?
Wir fahren hin
Eine Frau schaut aus dem Häuschen raus, es ist keine Hexe, ich bezahle gleich doppelt und wir beide fahren durch
Wir fahren weiter geradeaus, direkt auf Moskau zu
10 km vor dem äußeren Ring fällt das GPS aus
Verdammte Sch… schade…!!!
Wir haben die Kilometer im Kopf und wissen, dass wir nach 10 km an einem Kreuz einen dreiviertel Kreis drehen müssen und links den äußeren Ring entlang
Und irgendwann müssen wir dann vom äußeren Ring wieder in die Innenstadt rein – irgendwann
Ja, und wann???
…
Wir fahren 10 km, kommen auf ein großes Kreuz und fahren raus
Wir wollen den Dreiviertel Kreis nehmen, um nach links auf den äußeren Ring zu kommen
Wir fahren ein bisschen zu früh ab, machen nur einen Viertel Kreis und fahren sechsspurig in die falsche Richtung
Nächste Sch…
Vom Verkehr her geht es, ich hatte es mir schlimmer vorgestellt
Wir müssen die Situation neu analysieren
Wie kommen wir jetzt auf die andere Straßenseite in die entgegengesetzte Richtung?
Nach ca. 2 km fahren wir rechts raus, merken aber schnell, dass wir hier nicht auf die andere Straßenseite kommen
Wir fädeln uns auf den sechsspurigen Ring wieder ein
Weitere 2 km kommt eine Brücke
Wir fahren raus, können über die Brücke und in die entgegengesetzte Richtung auf den sechsspurigen Ring
Geschafft… nur wie weit müssen wir hier fahren?
Irgendwann kommen wir an das Kreuz, an dem wir falsch abgebogen sind
Jetzt sollten wir nur noch wissen, wieviele km wir hier draufbleiben müssen
Ich vergleiche meinen handgeschriebenen russischen Zettel mit der Route drauf und den Verkehrsschildern
Ich kann noch weniger als nichts lesen – nämlich gar nichts
Danke für deine Mühe, Micha, aber es war umsonst
…
Nach Rücksprache mit Louis weiß er auch nicht, wann wir abbiegen müssen
Eine Idee wäre, einen Taxifahrer zu suchen, der zum Hotel fährt und wir hinter her
Plötzlich staut sich der Verkehr…
Es geht nur noch im stop and go
Wir sind auf einer sechsspurigen Fahrbahn, in eine Richtung(!!!), sechsspurig, und es geht nur im stop and go vor sich!!!
Wer hat das erfunden???
Wahnsinn…!
So zotteln wir dahin
Plötzlich erklärt mir Louis völlig lapidar, wir müssen in 600 Meter raus
„Woher weißt du das?“
„Sagt mein Navi, GPS geht wieder“
Ich hätte fast einen Freudensprung vom Motorrad gemacht, während Louis mir das emotionslos ins Ohr quatscht
Ok, jetzt warten wir mal ab, wie lange das hebt
Wir fahren auf dem Standstreifen und schlängeln uns vorbei
Wir biegen ab, es wird vierspurig, aber es läuft
Ich bete, dass das GPS bestehen bleibt
Wir werden mutiger, überholen mal rechts und mal links
Der Verkehr ist nicht mit Machatschkala in Tschetschenien zu vergleichen!
Alles absolut fair – Respekt, hätte ich anders erwartet
So biegen wir noch 3x ab und stehen vor unserem Hotel – perfekt gelaufen, Hut ab!
Der Gehweg sehr breit, perfekt für unsere Motorräder
Wir parken, machen die Hoteltüre auf, da winkt vom 1. Stock hinter der Theke die Hotelfrau – sie hat uns schon erwartet
Wir laufen die Treppe hoch
Natürlich kann sie nur russisch
Als erstes klären wir das mit dem Parkplatz auf dem Gehweg ab
Geht gar nicht, da dürfen wir nicht parken, da kommt die Polizei und kostet Strafe
An der Straße dürfen wir parken, wir müssen uns aber am Automat registrieren, online und mit Kreditkarte
Da unsere Kreditkarten nicht funktionieren, bitten wir sie, dass sie bezahlt und wir geben ihr das Geld in bar
Kein Problem, macht sie – voll nett die Frau
Wir laufen gemeinsam zum Automat, sie muss vorher aber eine App runterladen
Zwischendrin immer wieder Google Übersetzer
Wir laufen zum Hotel zurück, sie nimmt sich viel Zeit, das mit dem Parken zu regeln
Wir geben beide unsere Kennzeichen ein
Nach einer langen halben Stunde kommen für diese vier Tage parken 330 € raus
Waaaaaaas…?!?
Nach unserer Rechnung müssten circa 44 € rauskommen
Es hat sich dann aber herausgestellt, dass das keine Tagespreise waren, sondern Stundenpreise – oha!
Sie meinte, das ist halt Moskau, und ihr seid mittendrin
Ja, schon klar, aber 330 € sind eine Hausnummer
…
Sie telefoniert rum und hätte ein Hostel für uns, dort können wir wohnen und umsonst parken – ist nur 7 Minuten entfernt von hier
Ah, ok…
Dann hat es wieder eine Ewigkeit gedauert, bis wir das russische Google Maps mit dem deutschen Google Maps zusammengebracht haben
Dann haben wir das Hotel auf deutschen Google Maps gefunden
Wir vergewissern uns noch mal bei ihr, ob dort auch wirklich ein Zimmer frei ist – ja, ist für uns gebucht
Das Ganze hat circa anderthalb Stunden gedauert – wir bedanken uns herzlich bei ihr für ihre Mühe und lachen alle zusammen
Ein gemeinsames Abschlussfoto darf nicht fehlen
Wir ziehen uns wieder an und fahren los
Wir kommen an der Kirche „Donskoy Monastery“ vorbei
Daneben fährt auf dem Gehweg ein Roboter mit einer roten Fahne, hab ich noch nie gesehen
Wir fahren, bis Google Maps sagt, wir sind am Ziel
Wir gehen in das Hotel und werden sofort abgewiesen – „wir nehmen nur russische Staatsangehörige auf“
Wenn du sowas in Deutschland sagen würdest, wärst du als Nazi betitelt worden und würdest von der Gesellschaft ausgeschlossen werden
Und das Hotel wäre für immer und ewig geschlossen worden
Auf Google Maps merken wir, dass wir zwei Häuser zu weit sind
Wir laufen wieder zurück und gehen in eine andere Tür rein
Dort riecht es schon komisch – wir kennen den Geruch, der verheißt nichts Gutes
Als wir der Frau an der Rezeption das Handy mit Google Übersetzer unter die Nase halten, lacht sie und meint nur, wir sind hier beim Zahnarzt – bitte ein Haus weiter
Wir gehen ein Haus weiter, da kommt gleich der Chef raus und meint, wir können die Motorräder ums Eck parken – ist kameraüberwacht
Juhuuuuu! Wir sind endlich richtig!
Er kann sogar ein wenig Englisch
Wir checken ein und vespern eine Kleinigkeit
Von unserem Zimmerfenster aus sehen wir den gleichen Roboter von vorhin am Nachbarhaus anhalten
Ein Mann kommt raus, der Deckel vom Robi geht auf und er holt sich Essen raus
Der Deckel geht zu und der Robi fährt wieder auf die Straße – ohne aber nach rechts und links zu schauen
Coole Socke…
…
Wir haben es geschafft, wir sind mitten in Moskau
Zwischen dem ersten und dem zweiten Ring, 4,9 km vom Roten Platz entfernt
Wahnsinn!!!
Und das mit unseren Motorrädern!!!
Letztenendes war der Verkehr „harmlos“
Ich hatte immer noch Machatschkala im Kopf, dass es genauso werden würde – aber das wurde es nie
Gott sei Dank
Vielleicht lag es auch an der Uhrzeit, und dass wir nicht abends reingefahren sind
Wir ziehen uns um und gehen zur „Donskoy Monastery“
Innendrin wird gebetet – wir beobachten die Menschen
Anschließend gehen wir noch über den daneben liegenden Donskoy-Friedhof
Auf dem Rückweg fährt uns wieder dieser oder einer von diesen Robotern über den Weg – der fährt einfach auf dem Gehweg und weicht allen Menschen aus oder hält kurz an
Geniales Teil
Wir laufen noch am Radioturm vorbei und gehen in einen Imbiss, essen und trinken etwas – danach ins Hotel zurück
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