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22.07.2026
- um 8:00 Uhr sind wir aufgestanden, um die Maschinen schon zu packen, bevor um 10:00 Uhr die Sonne um’s Eck kommt
- Ich schraube als erstes meine Werkzeugbox ab und verabschiede mich von ihr
- Samuel schrieb gestern Abend noch, dass er in Kasachstan angekommen ist
- Kurz vor der Grenze ist er allerdings von korrupten russischen Polizisten angehalten worden, die Geld gefordert haben
- Er hat sich blöd gestellt, und letztenendes „nur“ 5000 Rubel (ca. 54€) bezahlt
- Gut, blöd stellen geht bei mir äußerst schlecht…
- …
- Die Pause hat sehr gut getan, nachdem wir 11 Tage am Stück gefahren sind
- wir freuen uns heute aber auch wieder aufs Fahren
- Louis bekommt das Ergebnis seiner Abschlussprüfung mitgeteilt
- Er ist jetzt gelernter Kfz-Mechatroniker
- Wir gehen zum Frühstück und genießen noch mal richtig wie Könige
- Die nächsten Tage wird es eher wie Bettler werden
- Gegen 11:00 Uhr, bei 31° und wolkenlosen Himmel fahren wir los
- 15 km Stopp and Go und guten Verkehr durch die Stadt, bis wir endlich draußen sind
- Der Verkehr war zum Glück nicht ganz so schlimm wie vor anderthalb Tagen abends, als wir angekommen sind
- Dann fängt eine öde Steppe an, links und rechts nichts als karge Landschaft
- Aber wir können Kilometer machen
- 180 km haben wir seit dem letzten Tanken hinter uns
- Wir suchen trotzdem nach Tankstellen, fahren aber immer an welchen vorbei, die keinen Sprit haben
- Noch haben wir genügend, +5 l Reserve
- Immer wieder gibt es Polizeikontrollen
- Circa 50 km weiter kommt eine Tankstelle, die Benzin hat
- Wir tanken jeder 12,5 Liter voll
- Wir machen Pause im Schatten, es ist sehr heiß, jetzt 36°
- Und wir kaufen noch Wasser, für alle Fälle
- Die Hauptstraße ist zweispurig, in jede Richtung eine
- Die Überholmanöver sind manchmal sehr waghalsig
- Die Autos überholen manchmal trotz Gegenverkehr und hoffen, dass der gegenüber weit rechts fährt
- Heute ist es sehr eintönig und langweilig zu fahren, im Gegensatz zu den letzten Tagen in Dagestan
- Wir machen noch mal Pause in einem klimatisierten Café, es gibt guten Cappuccino
- dann geht’s wieder auf die Hauptstraße und Kilometer fressen
- Nach einigen Kilometern kommt eine Gewichtskontrolle für LKW‘s
- Es geht im Stopp and Go, einige LKW’s werden rausgezogen, einige nicht
- Ein Polizist winkt uns, wir müssen auch raus
- Hat der uns mit einem LKW verwechselt?
- …
- da gibt es eine kleine Anekdote aus Kesan in der Türkei, mancher hat es damals gelesen…
- Der Hotelchef in Kesan hat für unsere Motorräder einen Platz in seinem Flur angeboten
- Ich sagte zu ihm, das ist zu eng, da komme ich nicht durch
- Er meinte, ich soll mit meiner Maschine kommen, kein Problem, er wird mir helfen
- Als ich dann mit meinem Schnabeltier ankam, hat er ganz große Augen bekommen und meinte: „it’s not a motorbike, it’s a Truck!“
- …
- So, der Polizist mit dem wohlgenährten Bauch will in der glühenden Sonne unsere Reisepässe sehen
- Dann zeigt er auf der gegenüberliegenden Seite zu seinem Kabuff, wir sollen mit ihm mitgehen
- Ein anderer Mann ist schon drin, den hat er wohl auch rausgezogen
- Er fertigt ihn ab und dann kommen wir dran
- Er zeigt auf seinem Handy ein Video von zwei Motorradfahrern, die bei durchgezogener Linie Autos überholt haben
- Zwei BMW‘s, beide mit Kennzeichen WN
- Scheiße, zu leugnen wäre jetzt die falsche Antwort
- Dann hebt er die Arme als Zeichen „Was jetzt?“
- Er füllt irgendwas aus, wahrscheinlich den Strafzettel
- Dann steht er auf, gibt Louis ein Zeichen, die Türe zuzumachen
- Louis macht die Türe zu, wir sind zu dritt und wir ahnen schon was kommt
- Er hält die Hand auf
- Louis hat das Handy in der Hand und übersetzt „Wann können wir weiter?“
- Er stutzt…
- Er schreibt auf einen Zettel „500 Dollar“ Strafe
- Wir übersetzen, dass wir einen Freund in Wolgograd besuchen und dort dann erst an Geld kommen
- Dann korrigiert er seinen Zettel mit 300 Dollar
- Wir lassen wieder übersetzen, dass wir kein Geld haben
- Dann gestikuliert er, dass die Fahrt vorbei ist und wir draußen an unseren Motorrädern schlafen könnten, wenn wir nicht bezahlen
- Ich wurde langsam nervös und Louis hatte die Schnauze voll
- Ich habe ihn ein bisschen bremsen müssen
- Der Kollege sitzt halt am längeren Hebel
- Er deutet wieder auf unsere Reisepässe, und dass unsere Fahrt vorbei wäre
- In weißer Voraussicht hatte ich heute Morgen meine großen Geldscheine in die rechte Hosentasche und links die kleineren Scheine
- Ich hole in meiner linken Hosentasche die Geldscheine raus und übersetze ihm noch mal, dass das alles ist und wir nicht mehr Geld haben
- Er macht eine abwertende Handbewegung – war ihm wahrscheinlich zu wenig Geld
- Er zeigt nochmals auf unsere Pässe, mit der Gestik, sie zu zerreißen
- Ich werde noch nervöser und denke mir, das darf der doch gar nicht machen
- Draußen sind noch andere Polizisten und zwei davon sehen aus wie von der Armee
- Die gehören doch nicht alles zusammen?
- Ich halte ihm noch mal die paar Scheine hin
- Er schaut sie noch mal an und nimmt mit Murren die zwei Größten heraus – 1200 Rubel (ca. 13€)
- Die kleineren Scheine lässt er mir
- Dann gibt er mir meinen Reisepass zurück und zeigt auf Louis
- Ich bin frei – Louis muss noch bezahlen
- Aber er hat dummerweise noch weniger Geld, nämlich gar keins
- Louis ist richtig genervt von dem Fettleibigen
- Louis macht ihm noch mal auf Deutsch klar, ohne Rücksicht, ob Beleidigungen im Spiel sind oder nicht, dass er kein Geld hat
- Der Dicke schaut ihn kurz an, nimmt seinen Reisepass, gibt ihn Louis zurück und brüllt „Dawei, dawei!“
- Wir machen die Türe auf, gehen schnellen Schrittes nach draußen, über die Straße und zu unseren Motorrädern
- Ich glaube, so schnell haben wir uns noch nie angezogen, die Motorräder gestartet und losgefahren
- Puh, das hat Nerven gekostet!
- …
- Wir fahren weiter, ohne großartig zu überholen und halten uns auch einigermaßen an die Geschwindigkeit
- Manchmal kommen Kreuzungen, da geht es immer wieder nach rechts und nach links ab
- Die Straßen sind dann 10 m geteert, gehen dann in Schotter über und verlaufen sich irgendwann im Nichts
- Sehr merkwürdig…
- Dann kommt wieder eine Polizeikontrolle mit mehreren Polizisten
- Ich hab schon Blutdruck
- Wir fahren langsam ran und kommen unbeschadet durch
- Puh, umsonst geschwitzt
- Inzwischen sind wieder 200 km vergangen und wir finden eine Tankstelle
- Wir wollen jetzt in der Nähe nach einem Hotel suchen, obwohl hier eigentlich weit und breit nichts ist
- Wir tanken voll
- Eine russische Familie ist so begeistert von unseren Motorrädern und bequatschen Louis
- Sie wohnen in Jekaterinburg und haben in Dagestan Urlaub gemacht
- Louis fragt, ob es auf dem Weg nach Wolgograd ein Hotel gibt
- In Liman würde es anscheinend Hotels geben, sagt er – in 125 km Entfernung
- Also noch mal anderthalb Stunden fahren
- Okay, wir beschließen, das machen wir
- Nach 105 km müssen wir links abbiegen und keine 50 m weiter wird es eine unbefestigte Straße
- Diese sollen wir jetzt 20 km fahren?
- wir machen Pause und diskutieren
- Wir merken, wir sind wieder in einer anderen Zeitzone, sie haben uns eine Stunde geklaut
- auf Google Maps sieht Louis, dass wir der Hauptstraße weiter folgen und wir später nach links abbiegen können
- Wir fahren also weiter, können dann irgendwann links abbiegen Richtung Liman, und das auf befestigter Straße
- Wir finden auch ein Hotel, welches auch ein Zimmer für uns hat
- Wir müssen, wie schon vorgestern, mit Reisepass und den ganzen Dokumenten einchecken
- Wir ziehen uns um, duschen und suchen die Pizzeria, die uns die Hotelfrau empfohlen hat
- Wir laufen los, GPS funktioniert in diesem Dorf leider nicht
- Komisch, die ganze Fahrt über hat es funktioniert
- Wir laufen die 2 km ins Dorf, die Pizzeria hat zu
- Ein anderes Restaurant hat auch zu
- Wir finden einen großen Supermarkt und kaufen Vesper für den Abend
- Dann laufen wir die 2 km wieder nach Hause und essen
- Wir loggen uns in das WLAN ein und WhatsApp funktioniert ebenfalls – auch hier gibt es den VPN
- Louis chattet mit Samuel
- Mal schauen, wie das mit denen weiter geht
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