Heute haben wir mal wieder ausgeschlafen, bzw. länger geschlafen
Das Zimmer ist sehr schön und das Bett bequem
Wir machen uns schwarzen Tee, der im Zimmer bereit steht
Wir diskutieren noch mal und entscheiden, weiter nach Tschetschenien zu fahren
Es liegen einige Tankstellen auf dem Weg, in der Hoffnung, dass es irgendwo Sprit gibt
Dann müssen wir auch noch auf das GPS hoffen, dass auf dem Land hoffentlich funktioniert
Wenn in keiner Großstadt das GPS funktioniert, dann wird es auch sehr schwierig unsere geplanten Sehenswürdigkeiten anzuschauen
Es ist alles so ungewiss…
Wir könnten auch den Weg des geringsten Widerstandes gehen und wieder über Georgien einen anderen Weg einschlagen
Aber in der Regel gehe ich solche Wege nicht
Dann würde ich auch zum dritten Mal durch die ganze Türkei wieder Richtung Heimat fahren
Das will ich auch nicht!
Da fällt mir der Russe ein, der mich bei der Einreise nach Russland angesprochen hat
Ich hatte ihn dann wegen dem Spritmangel angesprochen…
Er meinte nur, ich solle mir keine Sorgen machen – wenn nichts mehr geht, einfach stehen bleiben, es werden Russen kommen und dir helfen
…
Wir packen unsere Maschinen und kommen kurz nach 10:00 Uhr los
Raus aus dem Hof und auf die Hauptstraße
Wir fahren keine 500 m, da hupt es von hinten wie verrückt
Samuel, der Spanier, mit dem wir gestern den halben Tag an der Grenze gestanden sind, kommt mit seiner KTM angefahren
Unglaublich, was für „Zufälle“
Obwohl… meiner Meinung nach gibt es keine Zufälle, alles hat einen Sinn!
Da er nach Kasachstan will, und das auf dem Weg Richtung Tschetschenien liegt, fahren wir zu dritt weiter
Das Problem ist nur Wladikawkas, und das ohne GPS
Wir irren zu dritt durch die Stadt und nehmen die Hauptstraße, die immer geradeaus führt, und hoffen irgendwie aus der Stadt zu kommen
Wir lassen tatsächlich die Stadt langsam hinter uns und kommen aufs Land – das GPS funktioniert leider immer noch nicht
Alle Tankstellen, die wir in der Stadt gesehen haben, haben kein Sprit
Das nicht vorhandene GPS und der nicht vorhandene Sprit machen mich sehr nachdenklich
Und WIR wollen nach Tschetschenien…
Die Stadt haben wir hinter uns, und die Hauptstraße endet auf einer Schotterstraße, wir halten
Wir diskutieren, was wir machen sollen, da hält ein LKW und ein PKW neben uns an
Wir wollen nach Dagestan, sagen wir… der Kollege im PKW gibt uns Zeichen, hinter ihm her zu fahren
Wir steigen auf, starten die Maschinen und fahren hinter ihm her
Immer wieder kommt eine Polizeikontrolle, der PKW-Fahrer wird rausgezogen
Wir halten auch an, und der Polizist fragt, was wir wollen
„Nach Dagestan“
Der Polizist zeigt zum Kreisverkehr, dort links abbiegen, und dann immer geradeaus
Wir bedanken uns bei dem PKW-Russen und fahren Richtung Kreisverkehr
Wir sind schon weit außerhalb der Stadt und immer noch kein GPS
Tankstellen sind hier sehr weit verbreitet, und an der 15. Tankstelle sehen wir Preisschilder und Autos stehen – hier gibt es wohl Benzin – das macht uns ein wenig Hoffnung
Louis schreibt mir plötzlich ins Ohr, „das GPS funktioniert“
Oha, das wäre natürlich ein Traum
Wir kommen noch mal an eine Tankstelle, die angeblich Sprit hat
Wir fahren raus und wollen das testen
Es ist nichts los, aber ein Tankwart sitzt in seinem Häuschen
Wir warten, ob er rauskommt und uns betankt – nichts tut sich, er bleibt still sitzen
Samuel geht fragen, ob es überhaupt Sprit gibt
Er meint tanken, danach bezahlen
Wir probieren es aus und es kommt tatsächlich Sprit
Wir beide füllen je 7,8 l in unserer Tanks, jetzt sind sie wieder randvoll
GPS geht, die Tanks sind wieder voll, das macht mich sehr zuversichtlich
Man merkt, dass man hier in Russland in einer ganz anderen Region ist – Tschetschenien ist muslimisch
Die Männer haben Hüte auf und tragen lange Ziegenbärte – die Frauen tragen alle Kopftuch
Wir vespern mit Samuel zusammen und er erzählt, wie viel Liter Sprit er zusätzlich an seinem Motorrad hat – 16 Liter irgendwo abgefüllt
Er schenkt uns eine 5 l Wasserflasche voll mit Benzin – er will nichts dafür
Wahnsinn!!!
Kurz darauf kommen drei G63 AMG an die Tankstelle gefahren – die Bärtigen steigen aus
Schicken wir eigentlich auch Steuergelder nach Tschetschenien? – ich frage für einen Freund!
Ein anderer Tschetschene mit Hut steht plötzlich an meinem Motorrad, und seine Frau macht Bilder
„Kollege, ist mein Motorrad, ich will auch aufs Bild“
Die Frau macht Bilder und beide sind glücklich
Hier an den Tankstellen kann ich nicht mal kurz einen Espresso trinken, das gibt es leider nicht – dann gibt es halt Kaffee aus der Blechdose
Den 5 l Eimer Benzin verstaue ich in meinem Topcase, das ist jetzt auch voll
Wir verabschieden uns von Samuel, denn er biegt demnächst nach links Richtung Kasachstan ab
Wir fahren noch circa 20 km und biegen dann nach rechts Richtung tschetschenischen Kaukasus
Nach ein paar Kilometern kommt ein großes Tor, dahinter stehen Grenzer, Armee oder Polizisten
Sie deuten uns an, anzuhalten
Es wird lustig, sie reden russisch, wir reden deutsch, keiner versteht was, aber alle lachen
Sie schauen Reisepass und Fahrzeugschein an und fragen noch einiges über die Maschinen – zumindest macht es den Anschein
Fotos mit den Kollegen und der MG dürfen wir nicht machen
Dann bekommen wir unsere Papiere und dürfen weiterfahren
Es geht höher ins Gebirge und das Wetter bringt Nieselregen und Nebel
Wir sehen maximal 5 m und es geht immer höher und der Regen wird stärker
Wir überschreiten die magische Höhenmeter von 1893
Wie soll es auch anders sein, danach klart es auf
Die Sonne kommt langsam zum Vorschein, die Straßen sind wieder trocken und wir können eine herrliche Aussicht auf dem Kaukasus genießen
Bei gutem 2200 m geht es langsam wieder nach unten
Die Landschaft ist wirklich traumhaft 🥰
Von 13°, Nieselregen und Griffheizung geht es wieder hoch auf 23° und Sonnenschein
Der Asphalt ist teilweise sehr gut, dann kommen aber wieder abgerutschte Hänge mit Dreck und Steine und manchmal auch ein paar Meter Schotterpiste
Aber genau deswegen hatten wir eine Woche vor unserem Urlaub ein Enduro-Training im Steinbruch gemacht
Auf die Viecher müssen wir auch achten – meistens sind Kühe auf der Fahrbahn, dann noch Schafe, Ziegen oder vereinzelt auch Pferde und Ponys
Über Sprit und GPS machen wir uns aktuell keine Gedanken
Das GPS läuft und Sprit haben wir jeder noch für 500 km
Ab und zu haben wir sogar offene Tankstellen gesehen
Jetzt ist 17:00 Uhr, wir machen eine Pause
Nach langer Zeit kommt in 15 km Entfernung wieder eine Ortschaft, dort wollen wir nach einem Hotel suchen
Wir sind gespannt, ob es das in dieser abgelegenen Gegend überhaupt gibt
Wir fahren weiter, kommen in den Ort rein, treffen wieder Polizisten, oder welche von der Armee, und Ruckzuck sind wir auch schon wieder aus dem Ort draußen
Von irgendwelchen Übernachtungsmöglichkeiten absolut keine Spur
Wir diskutieren kurz und wollen die Polizisten fragen
Wir fahren zurück, halten an, und versuchen über Übersetzer, denen klarzumachen, was wir wollen
Es wird ein lustiges hin und her übersetze
29 km zurückfahren und es wird ein Hotel für uns geben, in unserer Richtung gibt es nichts
Zurück bedeutet Rückschritt, ist eigentlich nicht in unserem Sinn
Aber der Wetterbericht spricht gegen wildcampen
Einer von der Armee ruft im Hotel an und reserviert für uns
Wir verabschieden uns, bedanken uns, und fahren los
Schon braut sich was zusammen, und innerhalb kürzester Zeit schüttet es wie aus Kübeln
Bäche stürzen rechts von den Bergen, manchmal kommen sogar Dreck oder Kieselsteine mit runter
Wir müssen ziemlich aufpassen
Louis‘ neue Motorradkleidung hält dicht – ich bin schon wieder bis auf die Unterhose nass
Als ich aus einer Kurve raus fahre, sehe ich einen circa 3 m breiten „reisenden Fluss“ über die Straße fließen
Ich fahr rein, geb gut Gas und komm somit auch gut durch
So, wie wir im Steinbruch die Flussdurchfahrt gelernt haben
Ich schrei ins Mikro „Louis, Fluss, gib Gas!“
Er fährt hinter mir rein, gibt zu spät Gas und ihm versetzt es das Vorderrad um ein paar Zentimeter, bis er auf der anderen Seite doch noch unbeschadet rauskommt
Voll Adrenalin und Puls auf 300
…
So fahren wir die letzten Kilometer nur noch im Nieselregen
Wir finden das Hotel sofort und die Frau wartet schon mit geöffneter Hofeinfahrtstüre
Einfaches Zimmer, einfaches Bad, aber Hauptsache ein Dach über dem Kopf
Wir ziehen alles aus und hängen es verteilt im Zimmer auf – morgen wird da trotzdem nicht viel trocken sein
Aber morgen soll wieder die Sonne scheinen
Wir duschen und laufen dann die 500 m zum Restaurant
Hier sitzen nur Männer mit Bärten und die Frauen mit Kopftuch bedienen
Wenn ich die Männer so anschaue, es gibt keinen ohne Bart
Nach dem Essen laufen wir wieder nach Hause zurück und arbeiten
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