Ich bin heute Nacht ein paarmal aufgewacht, weil ich so gefroren habe
Ähnlich wie die letzte Nacht – aber da war es auch sehr kalt
Ich weiß nicht was los ist, normalerweise friere ich nie
Wahrscheinlich komme ich langsam in die Wechseljahre
Jetzt habe ich meinen Kaffee gemacht und sitze in der Sonne
Die ist auch schon sehr stark – wie der Kaffee
Um 8:30 Uhr kommt Louis aus dem Zelt – ich mache Tee aus Karelien für uns beide zum Aufwärmen
Wir sitzen in der Sonne, die wärmt
Am Nordkap Camping habe ich für zwei Nächte eine Hütte gebucht – wie 2021 und 2024, damals habe ich auch dort geschlafen
Dann werde ich heute innerhalb von fünf Jahren zum dritten Mal mit dem Motorrad am Nordkap sein
Wir haben heute 380 km und 5:45 bis zum Nordkap Camping vor uns
Es wird wieder mehr Kurven geben
Wir frühstücken gemütlich und packen danach unsere Sachen und unsere Maschinen – es ist sehr warm, wir packen im T-Shirt
gegen 11:30 wollen wir los, bei 20 Grad und Sonnenschein
Gepackt und startklar, nur mein Motor springt nicht an
Hat der Laptop gestern so viel Strom gezogen?
So eine sch… – jetzt muss ich mein Gepäck wieder abschnallen, um an den Booster zu kommen
Oh man…
Louis steigt schon ab und will das Werkzeug holen, während ich die Zündung nochmal anmache und es erneut versuche
Jetzt springt der Motor ohne Probleme an – sehr komisch
Warum das jetzt?
…
Aus meinen Elektriker-Kenntnissen schließe ich, dass der Laptop den Strom von der Batterie zum Anlasser gezogen hat
Heute Morgen hat diese Leitung erst mal mit Strom befüllt werden müssen
…
Wie würde Peter jetzt sagen… klingt komisch, ist aber so
…
Wir fahren los, über Schotter und Sand, dann auf die Hauptstraße und über eine große Brücke
Die Straßen werden kurviger, hügeliger, und es macht wieder viel mehr Spaß zu fahren
Wir nehmen die Kurven steil und beschleunigen kräftig raus
Langsam müssen die Kanten aus den Reifen gefahren werden
Es wird wieder kälter, 16° und der Wind eisiger
Beim Fahren merke ich, dass zwischen Armaturenbrett und Scheinwerfer ein Vogel hängt – er zappelt noch
Oh shit, der Arme
Louis brülle ich ins Ohr, „sofort anhalten, Vogel in Gefahr!“
Wir halten an, und ich merke, dass der Vogel tot ist – der Fahrtwind hat ihn zappeln lassen
Louis holt den Vogel und begräbt ihn mit einem Wurf ins Gebüsch
Mein aufrichtiges Beileid, lieber Vogel, tut mir sehr leid
Wir fahren weiter durch die wunderschöne Landschaft
Einmal um eine Kurve läuft so ein Hornochse mitten auf der Straße, bzw. ein Rentier
Wir fahren Schritttempo, bis er sich dann vom Acker macht
Nach 2 Stunden Fahrt machen wir eine Pause
Der Nordkap Camping ruft an – da wir nach 16:00 Uhr ankommen, benötigt er noch meine Kreditkartendaten
Komischerweise funktioniert meine Karte nicht, aber Louis‘
Er bekommt alles, was er braucht und wir fahren weiter
45 Minuten später werden wir sehr müde, in Lakselv tanken wir und ich trinke einen Cappuccino
Auf der Weiterfahrt fängt es an zu nieseln
Die Straßen Richtung Nordkap werden wieder weniger hügeliger und weniger kurvig
30 km vor dem Nordkap Camping kommt der Nordkaptunnel, 6870 Meter lang
Der Nordkaptunnel ist wirklich ein fantastischer Tunnel
Wir fahren 3 km steil nach unten, dann geht es 1 km eben und anschließend 3 km steil nach oben
Wenn man keine GS fährt, muss man in den ersten Gang runter schalten, damit man die 3 km hochkommt
Nun sind wir auf der anderen Seite, einmal durchs Meer unten durch und wieder nach oben, ohne nass zu werden
Ein paar Kilometer weiter kommt der Honningsvagtunnel, 4440 Meter lang
Wir fahren durch Honningsvag und biegen dann Richtung Nordkap ab
25 km davor, auf dem Nordkap Camping, steht unsere Hütte
Ich checke an der Rezeption ein und bekomme den Schlüssel, während Louis in der Gemeinschaftsküche schaut, ob der Backofen noch funktioniert
Ja, das tut er
Louis fährt zurück nach Honningsvag zum Rema 1000 und geht einkaufen
Es gibt Pommes mit Würstle und Blumenkohl – alles im Backofen
Genau wie vor zwei Jahren – ist jetzt zur Tradition geworden
Zusätzlich kauft er noch für das morgige Abendessen ein
Wir bereiten in der Küche alles vor und gehen duschen, während der Ofen arbeitet
Um 20:30 gibt’s Abendessen – Oberlecker
Vor der Gemeinschaftsküche steht eine 1250er Adventure aus Malta, sind nur ca. 5500 km bis hierher – Respekt
Dann frisst noch ein Rentier direkt vor unserem Küchenfenster
Vor 5 Jahren habe ich in Finnland oft die Salami von ihm gegessen – ist wirklich sehr lecker
Nach dem Abwasch gehen wir in unsere Hütte und ruhen uns aus
Wir wollen später noch ans Nordkap fahren, weil ab morgen früh soll es das ganze Wochenende fast nur regnen
…
Gegen 23:00 Uhr ziehen wir uns wieder an und fahren die 25 km ans Nordkap
Es ist absolut windstill und nur ein paar Wolken
Wir kommen oben an und dürfen 1 Stunde kostenlos parken – wobei ab 1:00 Uhr niemand mehr da ist
Es ist sehr wenig los im Gegensatz zu vor zwei Jahren – damals war keine einzige Wolke am Himmel, und man hat die Sonne komplett gesehen, da war viel los dort oben
Wir laufen wieder zu dem von uns altbekannten Globus
Wenn ich überlege, war ich die letzten beiden Male jeweils an zwei verschiedenen Tagen am Nordkap – dann ist das jetzt sozusagen mein fünftes Mal am Nordkap
Wir stehen vor der Kugel, machen Bilder, laufen rum und genießen die Atmosphäre
Wir würden gerne ein Bild von uns und unseren Motorrädern vor dem Globus machen
Aber wo unsere Motorräder stehen, ist alles bis zum Globus abgesperrt
Wir laufen am Parkplatz rum und analysieren die Situation, welche Möglichkeiten es gibt, dorthin zu fahren
Wir treffen Franz, ein Motorradfahrer aus der Tschechei
Er fährt ein chinesisches Motorrad, CF Moto – er ist zufrieden, vor allem mit dem Preis
Louis darf eine Probefahrt machen – aber war zu kurz, um die Maschine zu beurteilen
Franz erzählt uns, dass er mit dem Nachtwächter hier gesprochen hat
Ab 1:00 Uhr ist niemand mehr hier und es gibt auch keine Security
Man kann aus unserem Parkplatz rausfahren und über die Busspur rein, dann kommt man zum Globus
Es gibt aber eine Kamera, die auf den Globus ausgerichtet ist
Wenn wir mit unseren Fahrzeugen dorthin fahren und ermittelt werden, kostet das 1500 Kronen Strafe, ca. 150 Euro
Franz gibt uns schwarzes Panzertape – wir kleben unsere Nummernschilder ab
Wir treffen zwei Italiener, die ein Tuch um die Nummernschilder gewickelt haben
Gegen 1:30 Uhr fahren fünf Motorräder zum Globus
Wir machen Bilder in allen möglichen Situationen
Es ist so hell, und das gegen 2:00 Uhr nachts
…
Danach fahren wir über den Schotterplatz und die 25 km zurück zu unserer Hütte
Unterwegs machen wir noch das Panzertape weg
Auf dem Weg zurück kommen uns immer wieder Motorradfahrer entgegen – die werden das gleiche Ziel haben, wie wir hatten
Gegen 3:00 Uhr am Samstag Morgen gehen wir ins Bett
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